Oberschan - Artilleriewerk A6020 Magletsch
Aktualisiert am: 17. Februar 2013
Bei der Konzeption der Festung Sargans war es von Anfang an enorm wichtig, dass man mit der Fernartillerie bis in den Raum Feldkirch wirken konnte. Dies hatte vor allem militärgeographische Gründe, welche sogar noch im Kalten Krieg Gültigkeit hatten. Die geringe Tiefe der östlich des Rheins vorgelagerten Ebene hätte einen Gegner gezwungen, das Gros seiner Kräfte im Raum Feldkirch und jenseits des Arlbergs aufzustellen.

Planung und Bau
So verwunderte es nicht, dass der 1936 stattfindende Kurs für Ingenieur-Offiziere im Raum Sargans ein Werk auf dem Buchserberg unterhalb Guscha und nördlich Löchlibach auf einer Höhe von 980 m/M. plante. Von Anfang an sah man ein Werk mit Turmartillerie vor, da es auch in westlicher Richtung den Aufstieg ins Toggenburg bei Wildhaus schützen und ebenso bis nach Liechtenstein hinein wirken sollte.
Am 11. März 1938 marschierte die Wehrmacht in Österreich ein und deutsche Truppen standen nun am Rhein. Anfang Mai tagte die Befestigungskommission in Bad Ragaz. Dabei befand sie den Standort am Buchserberg für nicht geeignet und entschied, die Kuppe 673 westlich von Rans durch das BBB rekognoszieren zu lassen und ein Werk zu projektieren. Bei dieser Projektierung wurde dann Ende Oktober 1938 das geplante Artilleriewerk auf Munterdun verschoben, was aber noch nicht der endgültige Standort werden sollte.
Die nächste Sitzung der Befestigungskommission in Bad Ragaz fand am 11./12. April 1939 statt. Ziel war es, das Gerippe der zukünftigen Festung Sargans festzulegen und die Standorte im Gelände zu rekognoszieren. Zu jener Zeit waren für Sargans bereits fünf 10.5 cm Panzertürme in Fabrikation. Bei der Sitzung äusserte ein Teilnehmer die Meinung, dass bei einer Bestückung des Werks bei Mels (Castels) mit 15 cm Panzertürmen allenfalls auf das sehr exzentrisch gelegene Werk Rans verzichtet werden könnte, da dieses auch bis Feldkirch wirken könnte. Man blieb aus Kostengründen bei den 10.5 cm Türmen und ersparte sich eine herbe Enttäuschung. Es stellte sich später bei der Einführung der 15 cm L42 Kanone heraus, dass diese weder von Castels noch von Furggels auf Feldkirch hätten wirken können. Im Laufe der Diskussion kam man aber zum Schluss, dass das Werk Rans wirklich "weit vorgestaffelt" sei und stellte den Standort Magletsch bei Wartau gegenüber. Man entschied sich für den (heutigen) Standort Magletsch und der Chef der Generalstabsabteilung entschied, dass noch zwei Kasematten für 7.5 cm Befestigungskanonen (BK) einzubauen seien. Eine Halbbatterie West mit Wirkung auf den Schollberg und eine Halbbatterie Ost mit Wirkung auf die Rheinebene, wo das spätere Infanteriewerk und der Tankgraben Plattis zu liegen kamen.
Wirkungskarte der 10.5 cm Pz Turm, 7.5 cm BK, 8.1 cm Fest Mw [ Friends only ]

Bereits im Juli 1939 lagen die ersten Bau- und Terminpläne für Magletsch vor. Am 14. August 1939 fand eine Besprechung der Gst Abt statt, bei der neben Einsparungen auch über die Dringlichkeit der einzelnen Projekte diskutiert wurde. Magletsch erhielt die Projekte mit der (letzten) Dringlichkeit III. Der Baubeginn sollte von den verfügbaren Mineuren abhängig sein. Eine mobile 10.5 cm Schw Mot Kan Bttr sollte vorläufig die Aufgaben des Fort Magletsch übernehmen und Störfeuer gegen Feldkirch schiessen.
Am 18. Oktober 1939 begann man mit dem Bau des Artilleriewerk Magletsch. Bis Ende 1943 baute man in Priorität die Stellungen und Munitionsmagazine für die Panzertürme und BK sowie danach dann die Stände für MG und Beobachter. Im August 1940 konnten bereits die 3 Panzertürme als schussbereit gemeldet werden. Ende Februar 1941 folgten die beiden BK der Bttr Ost, und im Juli des gleichen Jahres war die Bttr West schussbereit. Als die Kampfstände erstellt waren, nahm man die Kavernen für die Maschinenräume und Unterkünfte in Angriff. Die Stollenausbrüche wurden von verschiedener Seite in Angriff genommen. Wegen des schlechten Felses und seiner Wasserdurchlässigkeit mussten die Stollen ausbetoniert werden. Die Mineure sprengten 3'900 Meter Stollen aus dem Fels, was einen Ausbruch von 175'000 Tonnen ergab. Um die einzelnen Stände zu erreichen, wurden 1855 Treppenstufen erstellt und total 266 Leitersprossen eingebaut. Die damaligen Baukosten betrugen 13 Mio. Franken.
Werkplan und Gesamtansicht Artilleriewerk A6020 [ Friends only ]

Parallel wurden zum Bau des Artilleriewerks ab 1941 auch die Anlagen zur Aussenverteidigung erstellt. Dazu baute man noch die beiden MG Werke A6021 Brögstein (2 x 2 MG), sowie das MG Werk A6022 Wartau (2 MG). Zur Abwehr von Fliegerangriffen wurden auf der Abdeckung Stellungen und Unterstände für Fliegerabwehrkanonen ausgebrochen und betoniert.
Ein Festungswerk ist nie fertiggestellt und eine begonnene Befestigung nie vollendet. Das galt auch für Magletsch. In den 1960er Jahren wurde während des Kalten Krieges das Werk den aktuellen Gegebenheiten und der aktuellen Technik angepasst. Das Werk wurde um einen Stand mit Infrarotscheinwerfer ergänzt. Ebenso baute man zwei Stände mit 8.1 cm Festungsminenwerfer im Magletsch ein. Dazu erstellte man noch rund um die Anlage zusätzliche Unterstände. Diese Massnahmen dienten der Verbesserung der Aussenverteidigung des Werks. Wegen der Bedrohung durch Atombomben wurde auch die Luftaufbereitungsanlage des Artilleriewerks mit Atomfilter ergänzt.
Filmausschnitt: 8.1 cm Festungsminenwerfer im scharfen Schuss [ Friends only ]
Das Werk Magletsch
Wie bei allen Turm-Artilleriewerken waren die Panzertürme auf der Abdeckung über tiefliegende Stollen und Kavernen aufgestellt und mit diesen durch schräge Treppenschächte verbunden worden. Die Panzertürme waren eine Konstruktion des französischen Rüstungskonzerns Schneider und wurden von der Eidgenössischen Konstruktionswerkstätte K+W in Lizenz hergestellt. Daneben verfügte das Werk über acht eigene MG Stände für die Aussenverteidigung, sowie eigene Beobachter Stände und Funknischen.
Filmausschnitt: 10.5 cm Panzerturm im scharfen Schuss [ Friends only ]

Die Basisinfrastruktur bestand neben einer Unterkunft für 381 Mann auch aus einem Spital mit 70 Betten und Operationsraum, einer eigenen Bäckerei und Grossküche, drei grossen 200 PS-Sulzer-Dieselmotoren mit zwei 100'000 Liter Treibstofftanks, einer mechanischen Werkstatt, zwei Wasserreservoirs mit 1'600'000 Liter Wasser, einer Luftaufbereitungsanlage mit Kampfstofffilter, Wäscherei, Telefonzentralen und mehr.
Die Werkbesatzung im Zweiten Weltkrieg wurde durch die Fest Art Kp 33 gestellt, welche zur Fest Art Abt 11 gehörte. Ende Oktober 1940 schossen zum ersten Mal die Kanoniere mit ihren neuen Panzertürmen, anlässlich des ersten Ausbildungskurses in Oberschan. Mit den Armeereformen änderte sich immer mal wieder die Bezeichnung der Werksbesatzung. Ab 1962 hiess sie Fest Kp II/11, dann ab 1978 Fest Abt 28, bevor sie 1987 das letzte Mal auf Fest Kp I/11 umgetauft wurde.
Die Aussenverteidigung wurde im Zweiten Weltkrieg durch 680 Mann Infanterie des Inf Bat 284 sichergestellt, welche sich rund um die Festung auf eine grosse Anzahl von Unterstände stützen konnten. Diese hohe Dotation erklärt sich durch die Lage des Artilleriewerks, welches 1.5 km ausserhalb der eigentlichen Réduitfront lag, das ab Mai 1941 mit dem ersten Op Bf Nr. 13 bezogen wurde. Obwohl ausserhalb des Reduits gelegen, zählte Magletsch dazu und wurde als Insel aussenverteidigt.
Das Aus und das Museum heute
1995 kam das teilweise Aus für den Magletsch. Mit der Ausmusterung aller grossen Festungen wurde der untere Unterkunftstrakt umgebaut und modernisiert. Er dient bis heute als Unterkunft für die Armee (GAZ Ost). Zurzeit existieren Pläne, die auch ein Ende für diesen Teil bedeuten würden. Wegen der hohen Betriebskosten der Unterkunft würde es billiger kommen, in Walenstadt eine neue Kaserne zu bauen und die Unterkunft im Werk aufzugeben. Noch ist diesbezüglich nichts entschieden.

Der obere Kampftrakt wurde vom Verein AFOM übernommen und als Museum weiter betrieben. Der Verein organisiert Führungen in und rund um die Festung. Ein Besuch dieser grossen Festungsanlage lohnt sich für jeden Interessierten. Die Aussenanlagen können auch erkundet und besichtigt werden. Weitere Informationen zur Festung Magletsch und zum Verein AFOM sind zu finden unter http://www.afom.ch. Wir danken an dieser Stelle dem Verein AFOM recht herzlich für die umfangreich gewährte Unterstützung!
 


Eingänge / Batterie West
 
Batterie Ost

Abdeckung und Panzertürme
 
MG Stände

Beobachter Stände
 
8.1 cm Minenwerfer

Historische Fotos
(demnächst)
 

Eingang / Wasserreservoir
 
Nebenausgang / Funknische

MG Stand 1
 
MG Stand 2+3

Südliche Beobachter
 
Minenwerfer Stand 1
und Feuerleitung

Minenwerfer Stand 2
und Notausgang
 
Batterie Feuerleitstelle

Panzerturm 1
 
Panzerturm 2 + 3

Telefonzentrale
 
Beobachter-Glocke

Maschinen- und Filterraum
Werkstatt
 
Batterie West

IR- und Beob Stand
 
MG Stand 7 + 8 / Nebenausgang

Museum
Inneneinrichtung
 
Museum
Waffen und Geräte

MG Stand 5 + 6 (Katzenbunker)
 
Batterie Ost

Trakt ex-Spital
 
MG Stand 4

A6021 Brögstein
Aussen
 

A6021 Brögstein
MG Stand 1+2 / Maschinenraum
 
A6021 Brögstein
Unterkunft / MG Stand 3+4

Unterstände Teil 1
 
Unterstände Teil 2

Unterstand A6034
 
Unterstände FLAB

Waffenstellungen
FLAB und Infanterie
 
Ausbildungsanlagen
Art U Bkr A6096
Interaktive Karte PzT1 PzT2 PzT3 BeobK Mw1 Mw2 Beob1 Beob2 Beob3 MG1 MG 2+3 MG4 MG 5+6 MG 7+8 Beob4 IR W BK1 W BK2 O BK1 O BK2 O Beob O NA Eingang NA2 NA2 Lmg NA1 NA Mw Interaktive Karte A6021-E A6021-MG1 A6021-MG2 A6096 A6025 A6026 A6027 A6028 A6029 A6030 A6031 A6032 A6038 A6037 A6033 A6035 A6036 A6091 A6040 A6039 A6093 A6022 A6048 A6049 A6034 A6041 A6042 A6043 T3312 GPH A6023 A6024