Wartau, Sargans - Sperrstelle Schollberg (1306)
Aktualisiert am: 02. Januar 2016
Die dichtbesetzte Sperrstelle Schollberg liegt in der Gemeinde Wartau und stützt sich auf die Festungswerke am Schollberg ab. Dabei erstreckt sich die Sperrstelle von der Mündung des Trübbachs in den Rhein über Richtbühl, Bergweite, Lafadarsch, Kurhaus Alvier bis hinauf zum Guggstein. Das Panzerabwehrschwergewicht liegt dabei auf dem teilweise nur 250 Meter breiten Abschnitt zwischen Schollberg und Rhein. Hier ist die grösste Dichte an Anlagen zu finden. Achillesfersen sind die Hochebene von Matug zwischen dem Maziferchopf und Fluewand, sowie der Raum zwischen Lafadarsch und Malanser Holz, wo die Sperrstelle infanteristisch umgangen werden kann. Zusammen mit der gegenüber liegenden Sperrstelle Ansstein (1316) waren die Sperren am Schollberg die Schlüsselfront der Festung Sargans.


[ alte Brücke Trübbach - Balzers
Archiv eidg. Demkmalpflege ]
Planung und Bau im Zweiten Weltkrieg
Gleich nach dem Einmarsch der Nazis in Österreich im März 1938 sicherte man die Rheinübergänge im Rheintal mit Tankbarrikaden, Sprengobjekten und Schindler Lmg Leichtständen als Brückenwachen. So auch die alte Holzbrücke zwischen Balzers und Trübbach. Die Holzbrücke selber wurde 1870 errichtet und hatte eine Tragkraft von nur 6 Tonnen. Damit war sie als Brücke für Panzer gänzlich ungeeignet, denn der leichteste deutsche Panzer vom Typ Panzerkampfwagen II wog 8.9 Tonnen. Selbst die leichteren Schützenpanzerwagen wogen 7.4 Tonnen und waren daher zu schwer für die Brücke. Somit eignete sich die Brücke nur zum Übersetzen der Infanterie und leichter Fahrzeuge. Um mit schwerem Gerät über den Rhein zu gelangen, musste die Wehrmacht also in den Besitz der Rheinbrücken bei Buchs gelangen, welche als einzige im Raum Sargans genügend Tragkraft besassen.

Bereits das generelle Projekt des Kurses für Ingenieur-Offiziere im Raum Sargans vom 4. Juli 1936 sah eine Sperrung des Rheintals auf der Linie Ansstein - Schollberg vor. Anlässlich der Sitzung der Befestigungskommission vom 3. Mai bis 5. Mai 1938 in Bad Ragaz wurde herausgestrichen, dass die Nordfront (Ansstein - Schollberg) besonders wichtig sei. Dabei wurde einem vorgelegten Projekt zugestimmt, nach dem die Tanksperre samt zugehörigen Werken in das Engnis zwischen Schollberg und Rheinknie verlegt wurde. Im August 1938 war dann das Projekt für das AW Schollberg fertiggestellt und es erfolgten die Ausschreibung und der Bau (siehe dazu auch das Kapitel zur Baugeschichte des Artillerie- und Infanteriewerks Schollberg).
Offen war nach wie vor, wie die Sperren am Rhein verankert werden sollten. So hoffte man im Oktober 1938 immer noch, einen Abtausch des Ellhorn von Liechtenstein erreichen zu können, um dort ein Gegenwerk zur Deckung des Schollberg-Werkes einzubauen zu können. Eine Hoffnung, die im Januar 1939 definitiv vom Tisch war.
Im Februar 1939 nahm die Generalstabsabteilung (Gst Abt) zusammen mit dem BBB eine Erkundung im Raum Schollberg vor mit dem Ziel, ein detailliertes Projekt für die Anlagen und Barrikaden vorlegen zu können. Am 11./12. April 1939 traf sich die Befestigungskommission ein weiteres Mal in Sargans. Bei einer Rekognoszierung am westlicher Rheindamm gegenüber dem Ellhorn wurde beschlossen, dass zwei sich flankierende Mg-Stände im Rheinknie und unterhalb des Ellhorns mit Wirkung auf Schollberg und den Uferstreifen am Absturz des Ellhorns errichtet werden sollten. Das Programm der Gst Abt wurde einhellig gut geheissen und der Bau der Werke zwischen Ansstein und Schollberg wurde als besonders dringlich erachtet. Die bauliche Realisation sollte ab Oktober 1939 beginnen und alle Werke bis Ende 1943 fertig erstellt sein. Wegen Geldmangels musste im August 1939 nochmals eine Sparrunde gemacht werden. 6 MG Bunker in der Abwehrfront des Schollbergs, inkl. eines durchgehenden Hindernisses blieben erhalten und sollten mit der Dringlichkeit 3 geplant und gebaut werden.
Ein eigentlicher Schwung in den Bau der Anlagen kam erst ab Anfang 1940. Durch die nun akute Gefahr plante das Baubüro mit Hochdruck, und die in den Frontabschnitten eingesetzten Truppen begannen damit, selbstständig Stände zu errichten. Im Zeitraum 1940 bis 44 entstand eine ganze Kette von Anlagen. Dazu zählen unter anderem 2 Geschützstände, 19 MG-Bunker, 19 MG- oder Lmg-Stände und 28 Unterstände in Beton oder Fels. Für die Feuerleitung der Artillerie standen drei spezielle Beobachterwerke zur Verfügung, die im Zeitraum von 1940 bis 1942 erbaut wurden. Die erste Tankbarrikade (T3315) aus Schienen entstand im Frühling 1940.
Im Schlüsselgelände vor der Festung Schollberg baute man 1940, resp. 1941 zwei weitere Infanteriewerke. Das ab April 1940 errichtete Infanteriewerk A6088 Bühl umfasste einen Panzerabwehrstand zu Gunsten der Schlüsselfront vor dem Schollberg, sowie einen rückwärtigen MG Stand. Die Anlage war sehr spartanisch gebaut und nicht ausbetoniert, hatte praktisch keine Infrastruktur und verfügte nur über eine Kaverne als einfache Unterkunft. Das IW A6086 Richtbühl bestand aus zwei Kampfständen und wirkte sowohl zu Gunsten der Schlüsselfront, als auch zu Gunsten der Flanke bei Bergweite. Im Gegensatz zum IW Bühl handelte es sich bei A6086 um eine voll ausgebaute Anlage inkl. Notstromversorgung.
Werkpläne von A6086 Richtbühl und A6088 Bühl [ Friends only ]

Zwei weitere eher spezielle Anlagen sind die Geschützstände A6073 und A6081 für Feldkanonen 1880. 1939 lagen in den Zeughäusern der Schweiz noch 170 8.4 cm Feldkanonen 1880 (über die Jahrzahl des Geschützes gibt es unterschiedliche Angaben, je nach Quelle). Diese hätten nach dem 1. Weltkrieg verschrottet werden sollen, aber die Schrotthändler hatten kein Interesse an ihnen. So beschloss man, diese Kanonen noch zu verwenden und baute verbunkerte Stellungen für sie. Obwohl beantragt, wurde wegen Rohstoffmangels keine neue panzerbrechende Munition mehr produziert. Pro Geschütz wurden 300 Schrapnell-Granaten und 50 Kartätschen - letztere mit Schrotschuss zur Nahabwehr - zugeteilt. 1943 ersetzte man die vier Kanonen, welche die Festung Sargans erhalten hatte, durch 7.5 cm Geb Kan 06.

Eine Analyse des Generalstabs aus den Feldzügen der Wehrmacht bis Herbst 1941 zeigt überraschendes. Die bis dahin in der Schweiz verwendeten Baumuster an Tankbarrikaden (Schienen, Höcker, Drchenzähne, Tankmauern) waren schlichtweg ungenügend um die Nazi-Panzer aufzuhalten. Der Wehrmacht gelang es in kürzester Zeit solche Hindernisse zu überwinden. Mittels Fliegerangriffen, Artilleriebeschuss und Pionier-Sprengpatrouillen wuden Breschen in die Hindernisse geschlagen und die Panzer brachen durch. Die gleichmässigen Schienenhindernisse konnten von den Panzern sogar überfahren werden. Darum wurden im Dezember 1941 Weisungen erlassen, wo welche Typen zulässig waren und dass zukünftig nur noch den Betonhöckern Typ BBB der Vorzug gegeben werden sollte. Durch seine massive Bauart konnte er Beschuss gut stand halten und seine Form verhinderte es, vom Panzer überollt werden zu können.
Für die Festung Sargans hatten diese Erkenntnisse natürlich auch Folgen. So mussten ab Frühling 1942 zahlreiche Schienen-Sperrstellen durch doppelreihige BBB Betonhöckersperren ergänzt werden, um die beabsichtige Panzerabwehr zu erzielen. Dazu gehörten neben den Sperren bei Plattis, Ansstein und Lutzisteig auch die Sperren beim Schollberg. Dies ist also der Grund, warum es in Sargans zahlreiche Sperren mit Schienen und BBB Höckern existieren.

Während des Krieges waren für die Verteidigung des Raumes Schollberg Truppen des Geb Gz Füs Bat 283 und Ter Bat 159 vorgesehen sowie Teile des Ter Bat 187 und der Geb Mitr Kp 220.
Ausbau im Kalten Krieg
Im Herbst 1959 beschliesst das Bundesamt für Genie- und Festung (BAGF), Geländeverstärkungen vorzunehmen. Da die Sperrstelle schon im Krieg dicht besetzt war, sind in diesem Abschnitt nur wenige zusätzliche Unterstände (U4) und Waffenstellungen errichtet worden. Man stützt sich primär auch weiterhin auf die Anlagen aus dem Zweiten Weltkrieg und deklassierte die kleineren Stände zu Unterständen.
Mit dem Bau der Schnellstrasse durch das Rheintal ab Anfang der 1960er Jahre entstanden laufend neue Brücken über den Rhein, so auch bei Trübbach. Diese neue Stahlbetonbrücke konnte nun auch Panzer tragen. Somit wäre es einem Angreifer erstmals möglich gewesen, mit Panzern bei der Sperrstelle über den Rhein zu setzen. Daher wurden diese neuen Brücken mittels Panzerbarrikaden und eingebauter Sprengobjekte gesichert, damit die Brücken im Notfall gleich gesprengt werden konnten. Die alte Brücke ist 1972 wegen Brandstiftung abgebrannt und wurde durch eine Fussgänger- und Velobrücke ersetzt. Auch diese Brücke sicherte man mit Panzerbarrikaden und einem Sprengobjekt.
Wie viele andere Anlagen auch, erhielt das Infanteriewerk A6086 Richtbühl 1962 einen zusätzlichen Stand für einen Infrarotscheinwerfer. Dieser wurde aber nicht in Form eines zusätzlichen Werkstandes erstellt, sondern als grosse Ausnahme in Form eines externen Werkes bestehend aus vorfabrizierten Betonelementen (Typ VOBAG). Auch erhielt dieser Annex Bau nicht wie sonst üblich eine F-Nummer, sondern die A-Nummer A6090. Im Richtbühl selber wurde eine zusätzliche Munitionskaverne ausgebrochen, sowie der AC-Schutz verstärkt mit zusätzlichen Gasschleusen (inkl. Atomfilter) und Panzertüren im Zugangsbereich.
Neben den Anlagen für die Abschnittstruppen erhielt auch der Stab des hier eingesetzten Füs Bat 183 im Jahr 1962 seinen eigenen geschützten Kommandoposten. Dieser wurde an bestens geschützer Lage im Gonzen in den verlassenen Bergwerksstollen Naus integriert.
Während des Kalten Krieges wurde die Sperrstelle durch die Soldaten des Füs Bat 183 verteidigt. Dazu kamen die Truppen der Werksbesatzung, welche durch die Wk Kp 37 (Abschnitt Alvier) und Wk Kp 50 (Abschnitt Schollberg) gestellt wurden. Die Übersichtskarte der Sperrstelle zeigt die wichtigsten hier eingesetzten Truppeneinheiten aus dem Zeitraum 1978 bis 1986.
Mit dem Bau der Autobahn durch das Rheintal ab 1979 änderte sich auch die Strassenführung im Bereich des Schollbergs. Gleichzeitig errichtete die SBB eine neue Schienentrasse parallel zur Autobahn. Dies führte dazu, dass teilweise Anpassungen und Neubauten von GPH notwendig wurden. Eine Sanierung des Bergbachs Trübbach Anfang der 1970er Jahre wurde dazu genutzt, diesen im Bereich zwischen Kantonsstrasse und Rheineinlauf als unauffälligen Panzergraben auszubauen und so ein zusätzliches, neues GPH vor dem Schollberg zu erhalten. Diese Tatsache ist sogar heute noch bei den wenigsten "Szenekennern" bekannt.

Mit der Auflösung der Festungsbrigade 13 sind auch die Anlagen der Sperrstelle Schollberg alle obsolet geworden. Die meisten Werke haben inzwischen den Besitzer gewechselt und gehören entweder der Gemeinde Wartau, dem Verein AFOM oder privaten Personen. Anlässlich der Sanierung der Autobahn A13 wurden 2011 auch die letzten Sprengobjekte rückgebaut.

Der Verein AFOM unterhält in der Sperrstelle mehrere Objekte als Museum, welche auch besichtigt werden können. Weitere Infos dazu findet ihr auf der Webseite des AFOM.
 


Sperrstelle Übersicht
 

Kurhaus Alvier
Abschnitt Nordwest
 
Kurhaus Alvier
Abschnitt Ost

Malanser Holz bis Heidenboden
 
Lafadarsch bis Flied

Mumpertjörs bis Wolfsloch
 
Plänggli bis Bergweite

GPH T3315
Abschnitt Bergweite
 
Zagg

Matug
 
Maziferchopf

Richtbühl und Bühl
 
GPH T3315
Abschnitt Richtbühl / Bühl

Schollberg Ost
 
GPH T3314

Trübbach und Rhein
Innen
 
Schollberg Süd

A6065 Lafadarsch
Aussen
 
A6065 Lafadarsch
Innen

A6072 Bergweite
Aussen
 
A6072 Bergweite
Innen

A6086 Richtbühl
Aussen
 
A6086 Richtbühl
Innen - Unterkunft
 
A6086 Richtbühl
Innen - Kampfstände

A6088 Bühl
Aussen
 
A6088 Bühl
Innen

A6135 Rheinau 1
Aussen
 
A6135 Rheinau 1
Innen

A6137 Rheindamm 5
Aussen

[Neu!]
 
A6137 Rheindamm 5
Innen

[Neu!]
Interaktive Karte A6068 A6070 A6069 A6071 A6072 A6073 A6074 A6075 A6076 A6077 A6078 A6079 A6080 A6081 A6082 A6083 A6085 A6084 A6090 A6087 A6086 A6089 A6088 A6120 A6121 A6122 A6124 A6125 A6123 A6126 A6127 A6128 A6129 A6131 A6130 A6100.01 A6134 A6133 A6136 A6137 A6135 A6156 A6100.02 A6100.03 A6182 A6181 T3315 GPH 1 T3315 GPH 2 T3315 GPH 3 T3315 GPH 4 T3315 GPH 5 T3315.05 T3315.08 T3315.11 T3315.17 T3314.03 T3314 T3313 Bach Bach M0948 M0947 M0946 M0945 M0944 M0942 T3317.05 T3317 T3317 abr M0928 M0951 T3318 Flutung Interaktive Karte A6051 A6052 A6053 A6054 A6055 A6057 A6058 A6059 A6056 A6060 A6061 A6062 A6063 A6064 A6065 A6066