In dieser Rubrik betreiben wir unseren eigenen kleinen "Igel-Blog".
  Hier erfahrt ihr, was es so Neues bei uns gibt und wo wir am Fotografieren waren.

 Letzte Aktualisierung: 30.12.2012













29. Dezember 2012: Besuch von Aargauer Perlen und ein kleiner Jahresrückblick 2012
Es ist schon fast 2 Jahre her, seit wir das letzte Mal im Aargau unterwegs waren. Daher also höchste Zeit, in diesem für Bunkerfans höchst spannenden Kanton wieder einmal vorbei zu schauen. Dies umso mehr, als uns Freunde vom Verein Reuenthal zu einer Besichtigung von neu erworbenen oder nun fertig restaurierten Anlagen eingeladen haben. Am Samstag war es dann soweit, und wir konnten die Bunker-Juwelen in Augenschein nehmen.

Treffpunkt war bereits 9 Uhr bei der Sanitätshilfsstelle A3908 Ampferenhöhe in Mönthal. Das bedeutete für uns früh aus den Federn und nach 7 Uhr los fahren, um pünktlich dort zu sein. Kein Problem - denn der Weg versprach sich zu lohnen. Als wir bei der Ampferen eintrafen, erwarteten uns mit feinen Gipfeli und einem Kaffee bereits Fritz und Titus vom Verein Reuenthal. Die 1940 erbaute Sanitätshilfsstelle hatten wir bereits 2009 von aussen besichtigt, als sie eben erst frisch gestrichen worden ist. Der Innenausbau war damals noch im vollen Gang, so dass wir eine Besichtigung verschoben hatten. Zeit also, nun das Ergebnis von innen zu betrachten. Als der Verein 2006 das Projekt startete war es ein leerer Betonklotz ohne Inhalt und Seele. Als wir eintraten kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. In einer wahren Herkulesaufgabe haben Fritz und seine vielen Helfer die Sanitätshilfsstelle so hergerichtet, als sei sie eben erst erbaut worden. Vom voll funktionsfähigen Maschinenraum mit Eigenstromanlage über die Holzeinbauten bis zum Behandlungs- und Patientenlagerraum war alles wieder vorhanden. Besonders beeindruckt hat uns das wieder eingebaute Gestell, auf welchem die Patienten auf den Bahren gelagert waren. Dieses Gestell hängt auf Schienen an der Decke und ermöglicht es, eine Sektion nach vorne zu ziehen und so die Patienten besser erreichen zu können. Sogar die Stromleitung hat man wieder via Kabel durch den Wald verlegt und so den Bunker wieder mit Strom versorgt. Die Anlage ist wahrlich eine Perle geworden und wir gratulieren dem Team zu dieser gelungenen Restauration!
Nächster Programmpunkt war der ehemalige Artilleriebeobachter auf dem Bührerhorn. Diese Anlage wurde vom Verein erst kürzlich übernommen. Seither haben die Vereinsmitglieder die Anlage von aussen heraus geputzt und besser zugänglich gemacht. Im Inneren ist sie zwar immer noch leer geräumt, jedoch sind wir trotzdem den Gang zum Beobachterstand gelaufen. Hier erwartete uns eine kleine Überraschung. Der Förster hat die Bäume vor dem Stand gefällt und nun hat man von hier aus wieder eine Aussicht wie sie 1940 die hier eingesetzten Truppen hatten. Diese Aussicht war dank dem wunderbaren Wetter sehr eindrücklich, sah man doch bis weit nach Deutschland bis zum Feldberg hinein. Als wir 2009 hier waren, hatten wir von all dem nichts mitbekommen, war es doch ein nebliger Samstag, der gerade so viel Sicht freigab, dass wir die Bunker von aussen ablichten konnten. Nun sahen wir, was wir damals verpasst hatten.
Nachdem die Aussicht genossen war, sind wir zu einer der neusten Besitzschaften des Vereins gefahren - zum Bunker A3930 Birch. Diese Anlage hat eine sehr spannende Geschichte. Ursprünglich hat man sie 1940 als Sanitätshilfsstelle erbaut. Sie ist doppelt so gross wie die eben erst besuchte Anlage Ampferenhöhe. Jedoch wurde der Bunker 1975 zur Feuerleitstelle der Festungsartillerieabteilung der Grenzbrigade 5 umgebaut. Von hier aus koordinierte man das Feuer der Festungsminenwerfer der Brigade. Im Gegensatz zur Ampferen konnte der Verein diese Anlage komplett ausgerüstet übernehmen. Schon von aussen erkennt man, dass hier tüchtig umgebaut wurde. Die Fensteröffnungen wurden zubetoniert und Stahlbetontüren hingen ab dem Umbau nun an dem Bunker dran. Als wir eintraten erwartete uns eine komplett erhaltene Inneneinrichtung mit vielen Besonderheiten. Dazu zählen der moderne Maschinenraum, die grosse Telefonzentrale oder auch die neu eingebauten Gasschleusen. In dem Bunker fand man viele Komponenten und Räume, wie man sie sonst nur in den grossen Artilleriewerken findet. Diese Anlage ist in seinem Ausbau und seinem heutigen Zustand ein weiteres Juwel der Schweizer Bunkergeschichte. Mit seinem neuen Betreuer Titus hat er nun jemanden, der kompetent weiterhin dafür sorgen wird, dass er für die Nachwelt erhalten bleibt und von der spannenden Bunkergeschichte im Aargau zeugen wird.
Wenn man Anlagen genau untersucht, so wie wir das bei unseren Ausflügen machen, dann geht die Zeit wie im Fluge vorbei. Es war bereits halb eins, als wir uns zum letzten Programmpunkt aufmachten. Dem Artilleriestand A3934 Sagel. Diesen Bunker konnten wir bereits 2009 beim Umbau besichtigen. Damals fehlte aber noch das Herzstück der Anlage - das 12 cm Positionsgeschütz 1882. Inzwischen ist dieses wieder in dem Bunker eingebaut und die Anlage sieht fast so aus wie 1940. Natürlich gab es damals kein Metalltor vorne und hinten, aber es versteht sich von alleine, dass man solche heute einbauen musste. Dies tut dem Ganzen aber keinen Abbruch, denn wenn das Tor vorne offen ist, erhält man einen Anblick, wie man ihn sonst nirgends in der Schweiz mehr zu sehen bekommt. Umso mehr haben wir uns gefreut, auch diesen Bunker nun in seinem Endausbau auch noch sehen zu können.
Die Zeit war fortgeschritten und die Besichtigung hat uns alle hungrig gemacht. So sind wir zusammen noch in ein Restaurant gefahren und haben uns mit einer kleinen Mahlzeit gestärkt und fachgesimpelt. Um kurz vor 15 Uhr haben wir uns dann von unseren Gastgebern verabschiedet. Nach unserer Verabschiedung sind wir dann dem Rhein entlang nach Hause gefahren und haben noch ein paar Fotos von bereits bekannten Anlagen entlang dem Weg gemacht. Grund war die teilweise Rodung der Bäume oder des Gestrüpps vor den Anlagen seit unserem letzten Besuch oder das perfekte Licht der untergehenden Sonne, welche sie auf die Anlagen warf. Es war ein langer Tag für uns, aber der Weg hat sich mehr als gelohnt.

An dieser Stelle wollen wir uns herzlichst bei Fritz und Titus für die Einladung und diese sehr spannende Tour bedanken. Wir konnten einige ganz besondere Bunker-Perlen besichtigen, die einmalig sind. Der Verein leistet eine gewaltige Arbeit, um diese Bunker wieder herzurichten und sie so in einem perfekten Zustand für die Nachwelt zu erhalten. Ein Aufwand, den man gar nicht hoch genug würdigen kann. Wir können euch nur empfehlen, die Gelegenheiten wahr zu nehmen, die der Verein bietet, und euch selber einmal die Anlagen anzuschauen. Der Weg in den Aargau lohnt sich, denn nur hier kann man diese Bautypen auch heute noch ausgerüstet bewundern. Nochmals einen grossen Dank an Fritz, Titus und all die zahlreichen fleissigen Vereinsmitglieder für ihre tolle Arbeit! Wir haben davor den grössten Respekt.

Jahresrückblick 2012
Das war der letzte Reisebericht für 2012. Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und auch wir werfen einen Blick zurück auf das vergangene Jahr. Dieses war für uns primär durch eine grosse Arbeitslast in unseren Geschäften geprägt, welche dafür gesorgt haben, dass wir nicht ganz so oft unterwegs sein konnten, wie wir dies gerne gewesen wären. Auch der Unterhalt und Update der Webpage musste zurück stehen, denn oft waren wir in der Freizeit einfach zu müde, um am Abend oder am Wochenende auch noch vor den PC zu sitzen. Denn lieber machen wir weniger Updates, als dass wir an der Qualität unserer Reportagen Abstriche machen. Wir danken auf jeden Fall für euer Verständnis, denn leider verdienen wir mit unseren Fotos und Reportagen kein Geld.
Trotzdem sind wir 2012 auch ein paar Mal aus dem Haus gekommen und haben einige schöne Touren gemacht - dies primär in der Region der Festung Sargans. Hier haben wir neben Bekanntem auch viel Neues besucht und fotografisch dokumentiert. Ein Highlight war sicher unsere Tour mit der APSF (Association pour la promotion et le soutien de la fortresse Helvetique) im Raum der Festung St. Maurice, wo wir trotz sehr schlechtem Wetter spannende Einblicke bekommen haben. Auch ein Highlight waren unsere Ferien in Kroatien, wo wir dank unserer Hartnäckigkeit einen Hauch von "James Bond" erlebt haben im ehemaligen grossen Kommandoposten der Jugoslawischen Kriegsmarine.
Und dann war da noch ein Anlass, der uns persönlich sehr am Herzen lag und von dem wir euch bewusst nicht berichtet haben - der in unserem Forum ausgeschriebene Ausflug mit unseren Igel-Friends im Raum Sargans, wo wir sehr exklusive Innenansichten geniessen durften. Dabei konnten wir einige Mitglieder des harten Kerns unseres Forums wieder einmal persönlich treffen und im persönlichen Gespräch nicht nur fachsimpeln. Nach wie vor gilt: Igel-Friend wird man nicht in dem man uns ein Email schreibt und für einen Account fragt (solche Mails beantworten wir nicht mehr), sondern in dem man uns aktiv hilft!
Damit kommen wir nun zum Schluss. Am Ende des Berichts und Jahres danken wir all den vielen Menschen, die uns aktiv bei unserem Projekt geholfen haben. Auch nach 4 Jahren im Projekt, erfahren wir sehr viel Hilfe und Unterstützung. Ohne diese könnten wir unser Hobby gar nicht so pflegen oder Anlagen besichtigen, wie wir es tun. Dafür euch allen ein sehr grosses Danke! Es ist toll, dass wir mit dem Hobby so viele interessante und liebe Menschen kennen lernen durften.
Der letzte Dank geht an die vielen treuen und regelmässigen Besucher unserer Page. Wegen der weniger zahlreichen Updates schwanken und stagnieren die Besucherzahlen zwischen 7'500 bis 10'000+ Besucher pro Monat. Da wir aber nicht darauf aus sind Besucherrekorde zu brechen, stört uns das nicht weiter. Im Gegenteil - es freut uns, dass trotzdem viele uns auch mit weniger Updates die Stange haltet. Wir bemühen uns im 2013 die Frequenzen wieder zu erhöhen, sofern die Arbeit es etwas zulässt.
Mit diesen Worten wünschen wir jedem von euch ein gutes neues Jahr, viel Glück und Gesundheit. Den vielen Bunkerbesitzern und Betreuern wünschen wir viel Kraft und Energie bei ihrer Arbeit und es würde uns auch 2013 freuen, wenn wir Einladungen zu Besichtigungen erhalten.
Auf ein friedliches und gutes 2013!






















03. Oktober 2012: Im mystischen Untergrund des Objekt 182 der JRM
Es ist nun fast zwei Wochen her, seit wird uns das letzte Mal mit einem Blog aus den Ferien gemeldet haben. Höchste Zeit also, die Erkundungen der letzten Tage aufzuarbeiten und euch davon zu berichten.

Wie wir im letzten Bericht geschrieben haben, wollten wir noch auf Korcula die verbliebenen Küstenartillerie Batterien aufsuchen. Davon ist schnell berichtet. Die beiden nördlichen Anlagen waren nicht erreichbar. Während eine in einem abgesperrten Naturschutzgebiet liegt, ist die andere in einem noch von der Kroatischen Armee (HV) genutzten Areal loziert. Daher waren beide für uns nicht besuchbar. Eine vierte Stellung im Süden entpuppte sich als einfache Feldstellung mit viel aufgeschichtetem Stein, aber ohne wirkliche Befestigungen. Darum blieb es auf Korcula bei der einen Erkundung bei Rt Raznijc. Unsere Gastgeber waren noch so freundlich, uns mit ihrem Boot vor die Stellungen zu fahren, so dass wir auch noch Aufnahmen von der Seeseite her bekamen. So blieb uns auf Korcula viel Zeit, echten Urlaub zu machen und für einmal Tunnels und Beton zu vergessen. Das traumhafte Wetter und das warme Meer trugen das ihre dazu bei, dass uns nie langweilig wurde.
Korcula verliessen wir auf einem anderen Weg, als wir gekommen waren. Dieses Mal nahmen wir die Fähre via Halbinsel Peljesac zum Hafen Ploce. Grund für diese Route waren drei Schnellboot-Bunker in der Region, die wir auf diese Art und Weise besichtigen konnten. Der erste liegt auf Peljesac in der Bucht Brijesta. Leider war dieser Stollen nicht ganz leer, hat man dort doch einen Schlepper vor den Eingang parkiert. Dies sorgte aber dafür, dass man einen guten Eindruck von der Grösse des Stollens bekommen kann. Nachdem die Bilder im Kasten waren, mussten wir uns beeilen, nach Trpanj zu kommen, um die Fähre nach Ploce zu erwischen. Zwar kamen wir noch rechtzeitig und 30 Minuten zu früh in Trpanj an, jedoch wartete dort schon eine grosse Autokolonne. Trotzdem waren wir optimistisch, dass alles klappen würde. Dieser Optimismus verflüchtigte sich, als wir sahen mit welcher alten und kleinen Fähre die Jadrolinija (der halbstaatliche Fährbetrieb) diese Linie betreibt. Der Kahn war so alt, dass bestimmt noch Diktator Tito damit gefahren ist, und so klein, dass am Ende genau 4 Autos keinen Platz mehr darauf hatten. Zu diesen vier gehörten wir leider auch dazu. Die Flüche, welche ich ausstiess, erspar ich euch hier. Es ist aber als Kroate bedrückend mit anzusehen, mit wie viel Dilettantismus der Tourismus in diesem Land betrieben wird, und das 18 Jahre nach Kriegsende. Obwohl das Land noch mit tausenden von Touristen gefüllt ist, benimmt man sich hier, wie wenn die Saison gelaufen wäre.
Also warteten wir 2 Stunden auf die nächste (gleiche) Fähre und kamen dann so viel später in Ploce an als geplant. Trotzdem liessen wir es uns nicht nehmen, die beiden Stollen in den Buchten von Duba und Soline zu besuchen. Besonders die Anlage bei Soline hatte zwei Überraschungen parat für uns. Die erste waren die Reste einer Tarnvorrichtung für die Einfahrt. Auf klappbaren Metallgestellen war hier früher eine Konstruktion ähnlich den Schartentarnungen der Schweiz angebracht. So versteckte man die Einfahrt in den Stollen. Eine solche Konstruktion hatten wir bisher noch bei keinem der anderen Stollen gesehen. Die zweite Überraschung war die Grösse des Stollens. Während die bisher besuchten für Schnellboote ausgelegt waren, muss dieser offenbar für einen kleinen Zerstörer der ehemaligen Jugoslawischen Kriegsmarine (JRM) ausgebildet gewesen sein. Trotzdem handelt es sich bei der Anlage um nichts weiter als einen unterirdischen Parkplatz ohne jegliche Infrastruktur.
Nachdem wir gesehen hatten, wonach wir suchten, sind wir dann nach Split gefahren. Dies ohne jegliche weiteren Erwartungen, weil unser dortiges begehrtes Ziel ausser Reichweite schien. Wir sollten uns zu unserem grossen Glück täuschen!

Split war in der Zeit des alten Jugoslawien der Hauptstützpunkt der Kriegsmarine. Neben dem Marinehafen Lora (dieser wird nach wie vor von der kroatischen Kriegsmarine HRM genutzt) gab es rund um Split auch zahlreiche unterirdischen Depots und als Highlight die grosse unterirdische Kommandozentrale der JRM - das Objekt 182.
Objekt 182 befindet sich in der Ortschaft Zrnovnica bei Split. Es ist im Wesentlichen ein ca. 300 Meter langer Stollen mit zwei Kavernen. Die alte Kaverne (3-stöckig) wurde wie der Hauptstollen in den 1950er Jahren - teilweise von Sträflingen - erbaut. Ab Mitte der 1970er Jahre errichtete man einen neuen zweiten Trakt. Dieser enthielt eine grosse, für damalige Verhältnisse top moderne Führungsanlage. Hier eingebaut war ein integriertes Computersystem, welche alle Radaranlagen an der Adria verband und eine Lagedarstellung der Bewegungen im Wasser und der Luft anzeigen konnte. Es kann mit dem Schweizer Floridasystem verglichen werden. Jedoch war dieses System um einiges komplexer und umfangreicher. In einer grossen Halle wurde für den Marinestab die Lage dargestellt. In separaten Räumen arbeiteten die Stäbe der Marine und Luftwaffe und hatten Funk- und Telefonverbindungen zu den Einheiten an Land, zu Wasser und in der Luft. Das System wurde 1986 in Betrieb genommen und hatte eine Lebenszeit von nur knapp 5 Jahren. Als der Krieg ausbrach, übernahm die Kroatische Armee die Anlage, hatte jedoch dafür keinerlei Verwendung. Sie verblieb zwar im Inventar, jedoch kümmerte man sich nicht um die Anlage. So kam es wie es immer kommt in Kroatien. Eine Plünderung der Anlage setzte sich schleichend in Gang.
Über einschlägige Foren hatten wir uns im Vorfeld schon über das Objekt informiert und erfahren, dass im Februar 2011 die Plünderer so dreist wurden, dass sie die Anlage für sich abschlossen. Die bis dahin offene und zugängliche Anlage wurde für Interessierte unzugänglich und die Plünderer konnten sich frei ein und aus bewegen. Unter diesen Vorzeichen begaben wir uns zur Anlage. Ich wollte zwar nicht wirklich, jedoch drängte mich Christiane dazu, zumindest ein paar Fotos des Zuganges zu machen. Praktischerweise war unser Hotel am Meer nur knapp einen Kilometer davon entfernt und so war es nur ein kurzer Weg. Dort angekommen sahen wir, dass der Stacheldraht neben dem Eingangstor entfernt war. Ebenso waren keinerlei Tafeln angebracht, die einen Zutritt verboten hätten. Zumindest der Eingang war also frei zugänglich. Als wir dann beim Haupteingang der Anlage ankamen, zeigte sich, dass die Informationen aus den Foren korrekt waren. Die Türe war provisorisch mittels Vorhängeschloss abgesperrt. Tja, eigentlich Feierabend müsste man denken. Als alte Bunkergänger, wie wir es sind, hat man aber gelernt, dass man immer alle Türen anschauen soll, bevor man aufgibt. Offenbar ein Grundsatz, der hier zu Lande nicht befolgt wird. Durch unsere Recherchen wussten wir, dass es noch einen zweiten Eingang gibt. Diesen fanden wir dann auch, jedoch komplett zugewachsen mit Brombeeren und anderem Dornengestrüpp. Bis zum Gestrüpp fanden wir Fusspuren, jedoch hat sich keiner der hiesigen "Kollegen" die Mühe genommen und das Grünzeug entfernt, um zu sehen, wie es dahinter aussieht. Ein Fehler, liebe Freunde. Wir hatten wie üblich unsere Gartenschere dabei und so begann ich mich als Landschaftsgärtner zu betätigen, während Christiane die Sonne genoss. Ein anstrengendes und schweres Unterfangen, das mich viele Kratzer kostete. Jedoch war es von Erfolg gekrönt, denn nach 15 Minuten schneiden und fluchen stand ich vor der Türe. Sie war unverschlossen! Offenbar dachten die Plünderer, dass sich niemand durch das Gestrüpp schneiden würde und hatten den Eingang nicht verschlossen.
Nun konnten wir endlich in die Anlage eintreten und in Augenschein nehmen, wovon wir schon viel gehört und gelesen hatten. Schon beim Einmarsch in die Anlage sah man, dass hier fleissig geräubert wird. Die Kabel im Boden des Zuganges werden heraus gebuddelt, enthalten sie doch viel wertvolles Kupfer. Zu unserer Freude stellten wir aber fest, dass - obwohl sehr viel zerstört und entfernt wurde - trotzdem noch so viel vorhanden ist, dass man einen sehr guten Eindruck bekommt, wie die Kommandozentrale dereinst ausgesehen hat. Als wir in die grosse Kommandohalle eintraten, spürte man den Kalten Krieg und ein Hauch von James Bond wehte durch den Raum. Hier alles zu beschreiben, würde zu weit führen, jedoch hatten wir hier so viele Motive, dass wir uns fast verzettelten. Die Kommandotafeln waren teilweise noch erhalten und auch die Lageboards waren nicht alle zerstört. Im Maschinenraum waren die grossen Einrichtungen noch alle vollzählig. Dazu gehörten sowohl die schallgeschützten Dieselmotoren, der Stromgenerator, Klimaanlagen, Heizungen, Lüftungen und Filteranlagen. Auch Teile der Telefonzentralen waren noch eingebaut. Einzig die Computer und Radarkonsolen waren entfernt, was aber der einzige Wehrmutstropen war. Alleine die Tatsache, dass wir hier rein kamen und so viel zu sehen bekamen, entschädigte für die Mühen und die Zerstörungen, die im Inneren bereits passiert sind. Als langsam die Batterien der Taschenlampen dem Ende entgegen gingen, mussten wir die Tour abbrechen und raus gehen. Da wir aber noch einen ganzen Tag in Split Zeit hatten, sind wir am Folgetag nochmals hin gefahren und haben unsere Tour fortgesetzt und so einen kompletten Rundgang durch diese Anlage machen können.

Wir haben Split nun verlassen und sind wieder in Zadar, wo wir bis zum Ferienende verbleiben werden. Auf dem Weg nach Zadar wollten wir noch zwei weitere Batterien besuchen, jedoch waren auch diese nicht zugänglich. Eine Batterie befindet sich auf einer Insel, welcher ein lokaler Milliardär von der Armee gepachtet (was man doch hier mit Geld alles kaufen kann) und dort eine private Ferieninsel für die Ultrareichen der Welt eingerichtet hat. Betreten strengstens verboten! Die andere Batterie befindet sich in einem Areal, dass noch immer von der HRM genutzt wird. Hier betreten leider auch verboten. Trotzdem sind wir mit Objekt 182 mehr als entschädigt worden. Die Fotos davon werden wir euch dann exklusiv einmal auf unserer Page zeigen können.
So, nun geniessen wir noch die Restferien und melden uns dann wieder, wenn wir zu Hause sind. Bis bald!












24. September 2012: Entdeckung vergessener Igel auf Korcula
Dieses Jahr haben wir unseren Jahresurlaub später angetreten. Seit unserem letzten Urlaub im November hatten wir das ganze Jahr hindurch noch keine ganze freie Woche. Also höchste Zeit, die inzwischen komplett leeren Batterien aufzuladen. Von Mitte September weilen wir für vier Wochen im noch immer sonnigen Kroatien.

Diese Ferien wollten wir bewusst etwas ruhiger treten als letztes Jahr und haben deshalb auch unsere fotografischen Aktivitäten auf Sparflamme ruhen lassen. So sind wir die erste Woche in Zadar unterwegs gewesen und haben Meer, Land, Leute und das Essen genossen. Die Zeit verging wie im Fluge und schon war die erste Woche rum. Warum geht die Zeit bei der Arbeit selten so schnell vorbei?
Die zweite Woche werden wir nun auf der Insel Korcula in der südlichen Adria verbringen. Diese schöne Insel erreicht man mit der Fähre von Split aus in einer etwa dreistündigen Überfahrt. Bekannt ist sie durch die Tatsache, dass hier der berühmte Entdecker Marco Polo geboren und aufgewachsen ist, bevor er zu seiner Reise nach China aufbrach. Neben wunderschönem Kulturerbe und Landschaft gibt es für Igelsucher wie uns aber auch Tunnels und Bunker zu entdecken. Also Zeit die Fotokamera wieder auszupacken und sich auf die Spuren der vergessenen Igel von Korcula zu begeben.
Wir haben unser Quartier in Lumbarda, der südlichsten Ecke der Insel aufgeschlagen. Dies nicht ganze ohne Grund, denn liegt beim dortigen Kap (kroat. Rt) Raznjic die grösste Küstenartillerie Batterie der Insel versteckt. Auf der ganzen Insel gibt es drei (nach anderen Quellen vier) solcher Batterien, wobei diese alle kleiner als die Anlage bei Rt Raznjic sein sollen. Solche Batterien wurden von der damaligen jugoslawischen Kriegsmarine (JRM) im Zeitraum Ende 50er / Anfang 60er überall auf den Adriainseln errichtet und sollten wichtige Zufahrten zu den grossen Häfen sperren. Sie verfügen über zwei oder vier (meistens offene) Feuerstellungen, welche über unterirdische Tunnels miteinander verbunden sind. In den Tunnels gibt es Munitionsmagazine und einfache Unterkünfte. Der Ausbaustandard darf als primitiv und spartanisch bezeichnet werden im Vergleich zu den luxuriösen Schweizer Anlagen. Die Batterien auf Korcula spielten im kroatischen Befreiungskrieg eine wichtige, wenn auch eher unbekannte Rolle. Im Handstreich konnten die Verteidiger der Insel die Batterien Mitte September 1991 von der JRM unversehrt erobern. Als die JRM in der südlichen Adria aktiv wurde und die Inseln begannen anzugreifen, erlebte sie ihre bitterste Niederlage. Die Batterien auf Korcula versenkten ein Schiff und beschädigten mehrere weitere. Da von hier aus die Zufahrt zur wichtigen Halbinsel Peljesac kontrolliert und auch die Zufahrt zur südlichen Adria beschossen werden konnte, sah sich die JRM gezwungen, sich in ihren letzten verbliebenen Hafen nach Montenegro zurück zu ziehen. Seither hatte die JRM als Kriegsfaktor auf der Adria aufgehört zu existieren und war geschlagen.
Von der Anlage auf Rt Raznjic hatten wir im Vorfeld keine Fotos oder genauere Informationen im Netz gefunden. Wir wussten einzig, dass es sie gab. Auch die genaue Lage war uns nur ungefähr bekannt. So sind wir dann am Sonntag zum besagten Rt aufgebrochen und haben uns zunächst umgesehen. Auf den ersten Blick war nichts von einer Batterie zu sehen. Als wir dann in eine Bucht hinunter blickten, sahen wir alte Zaunpfähle, wie wir sie schon von anderen Batterien her kannten. Ein klares Indiz, dass wir in der Nähe sein mussten. So sind wir dann bei glühendem Sonnenschein einem Trampelpfad den Berg hinauf gefolgt. Das dichte dalmatinische Unterholz erschwerte uns den Anmarsch noch zusätzlich. Wir waren schon eine halbe Stunde unterwegs und hatten noch immer keinen Zugang gefunden, als wir plötzlich an eine Feldstrasse kamen. Dieser folgten wir und fanden eine grosse Lücke im ansonsten noch bestens erhaltenen Stacheldraht. Die Strasse erwies sich als Serviceweg zum lokalen Handymast. Dieser befindet sich auf dem nun ehemaligen Kasernengelände. So folgten wir der Strasse weiter und standen plötzlich auf dem Gelände der ehemaligen Küstenartillerie Batterie. Zum Glück sind wir uns von der Schweiz her schon beschwerliche Anmärsche gewöhnt, sonst hätten wir uns noch frühzeitig entmutigen lassen.
Zuerst fanden wir zahlreiche, teilweise abgewrackte Gebäude und Baracken vor. Diese dienten früher der Truppe als Unterkunft und Kommandogebäude. Daran waren wir weniger interessiert, wollten wir doch primär die alten Tunnels und Waffenstellungen finden. Also folgten wir dem Weg weiter und fanden dann auch schon bald als erstens den eigenständigen Bunker der Artillerievermesser vor. Als wir diesen betraten, fanden wir auch sofort das, was man in jedem Tunnel an der Küste findet: Fledermäuse! Darum hiess es Kopf einziehen und die Tiere möglichst nicht aufschrecken. Nachdem die Bilder gemacht waren, begaben wir uns auf die Suche des Eingangs zum Stollensystem. Leider zunächst erfolglos. Dafür fanden wir am Felsenrand der Küste eine erste Geschützstellung. Über diese konnten wir dann auch in die Anlage eintreten und so das ganze unterirdische Netzwerk erkunden. Leider war auch hier schon alles Brauchbare ausgeräumt worden und sogar das Kupfer der elektrischen Leitungen wurde gestohlen. Trotzdem ist es immer wieder faszinierend, solche Tunnel zu erkunden. Den besonderen Reiz machen auch die Aussenfotos aus, denn in der Schweiz gibt es keine Bunker, die sich direkt am Meer befinden und so für schöne Motive mit Meer sorgen können. Nachdem das ganze Netzwerk erkundet war, hiess es noch den nicht minder mühsamen Rückmarsch anzutreten. Dieses Mal entschieden wir die Strasse zu nehmen, Der Weg entpuppte sich zwar als einfacher, dafür um ein vielfaches länger. Nach drei Stunden unter teilweise glühender Mittagssonne (hier herrschen immer noch Temperaturen wie bei uns im Hochsommer) sind wir dann völlig durchgeschwitzt wieder bei unserem Auto angekommen.

Mit diesen Fotos können wir euch dafür einen ersten sonnigen Gruss aus Dalmatien senden. In den kommenden Tagen werden wir versuchen, auch die Spuren der restlichen Anlagen zu finden. Sollten wir erfolgreich sein, werden wir euch natürlich wieder darüber berichten. Bis dahin die besten Grüsse nach Hause und an unsere treuen Blog-Besucher!
































30. August bis 02. September 2012: Vier regnerische Tage im Festungsgebiet St. Maurice
Das letzte Wochenende haben wir von Donnerstag bis Sonntag im Festungsgebiet St. Maurice verbracht. Grund für diesen Ausflug war die jährliche Reise der APSF (Association pour la promotion et le soutien de la fortresse Helvetique), welche dieses Jahr ins Rhônetal führte. Weil dieses Jahr das 20-Jahr Jubiläum der APSF gefeiert wurde, hat Pierre Frei dieses Jahr ein viertägiges, attraktives Programm vorbereitet, welches dafür sorgte, dass sich über 50 Personen aus Holland, Belgien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz angemeldet haben. Wir selber waren erst einmal im Sommer 2010 in dieser Gegend. Sie hat uns schon damals gut gefallen, jedoch haben wir es einfach nicht mehr geschafft, hier her zu reisen. Darum freuten wir uns umso mehr, dass wir wieder einmal nach St. Maurice kommen.

Donnerstag, 30. August 2012
Der Wetterbericht versprach für Donnerstag bis Samstag trübes Wetter - und für einmal sollte er (leider) Recht behalten. So reisten wir am Donnerstag bei strömendem Regen in Richtung Montreux, an den Genfersee. Hier startete am Donnerstagnachmittag der erste Programmpunkt - Besichtigung des Infanteriewerks A390 Chillion. Diese Anlage liegt direkt neben der eigentlichen Touristenattraktion, dem Schloss Chillion. Mit dieser Anlage sollte der Zugang, resp. Ausgang aus dem Rhônetal gesperrt werden. Aus diesem Grund verfügt das ab 1941 erbaute Fort über die doppelte Anzahl Kampfstände, als es für eine einseitige Sperrung benötigt würde. Als weitere Besonderheit muss der ovale Kampfblock erwähnt werden, welcher früher zwei der ehemals sechs 7.5 cm Kanonen beherbergte. Das Fort war ursprünglich als Artilleriewerk gebaut worden, verlor aber im Kalten Krieg den Artillerieauftrag. Als die Türen aufgingen, flüchteten 50+ Teilnehmer vor dem Regen förmlich ins Fort hinein. Dass so keine brauchbaren Fotos zu machen sind, war uns klar, weswegen wir im Buswartehäuschen beim Eingang zuerst einmal eine Viertelstunde warteten, bis wir dann auch hinein gingen. Die Massen hatten sich derweil im Fort verteilt, so dass wir mit unserer Arbeit beginnen konnten. Diese war dieses Mal um eine neue Facette reicher, konnten wir nun unsere eben erst neu gekaufte Canon EOS 1Dx Kamera ausprobieren. Das Fort präsentierte sich in einem ausgezeichneten Zustand. Alle vier Pak waren noch eingebaut und auch sonst war die gesamte Ausrüstung - mit Ausnahme der zwei 7.5 cm Kanonen - vollständig erhalten. Die verwinkelte Bauform der Stollen stellte Ansprüche an den Orientierungssinn, denn man konnte schnell einmal den Überblick verlieren, welchen Stollenabschnitt man noch nicht besichtigt hatte. Die Masse der Gruppe war schnell einmal durch das Werk gegangen und hatte seine Fotos geschossen, während wir noch voll bei unserer Arbeit waren. Gute Fotos brauchen Zeit, und diese nehmen wir uns bei solchen Gelegenheiten natürlich. Als auch wir durch waren, schlossen wir uns der Gruppe zur Aussenbesichtigung des Artilleriestandes an. Da dieser von innen nur über einen kleinen Lift und einen Steigschacht erschlossen ist, konnten nicht alle durchgeschleust werden. Darum öffnete unser Führer den Notausgang und ermöglichte so der Masse einen kleinen Blick in diesen Stand. Wir gehörten zu vier Auserwählten, die von innen mit dem Lift hinunter durften und so konnten wir auch noch die beiden Artilleriestände zum Schluss von innen fotografieren.
Damit war dieser erste Halbtag auch schon fast vorbei und es hiess die Zimmer in St. Maurice zu beziehen. Unsere Unterkunft war dieses Mal in einem Franziskanerkloster, welches günstige und saubere Zimmer zu einem sehr kleinen Preis anbietet. Dazu gehört auch das gemeinsame Nachtessen, welches sich als hervorragend und auch ausreichend entpuppte. Das Nachtessen benutzen wir auch, um uns mit unseren deutschen Bunkerfreunden auszutauschen, welche wir jedes Jahr bei der Reise treffen.

Freitag, 31. August 2012
Leider war auch der Freitag vom Wetter her alles andere als freundlich. So fuhren wir wieder bei Regen nach Martigny, wo wir das Artilleriewerk A66 Les Follatères besichtigen sollten. Das Werk verfügt über vier Stockwerke und war mit vier 7.5 cm und zwei 10.5 cm Kanonen ausgerüstet. Dazu kamen 40+ weitere Stände, 90% davon für Beob / Lmg. Als Besonderheit hat das Werk eine Seilbahn, welche in den vierten Stock führt.
Das Werk wird heute für die Lagerung und Vorbereitung von Feuerwerken benutzt und das unterste Stockwerk war darum mit Feuerwerk zugestellt, welches am nächsten Tag in St. Triphone abgefeuert werden sollte. Aus sicherheitstechnischen Gründen war es daher nicht möglich, den ersten Stock mit den Geschützen und der Kaserne zu besichtigen. Um ins Werk hinein zu kommen, bestand der Besitzer zudem darauf, dass man von aussen bis in den zweiten Stock hinauf läuft und dort über einen Notausgang ins Werk geht. Als wir das hörten und in den Regen schauten, war für uns schnell klar. Im Regen mit der neuen Kamera auf glitschigen Wegen wandern, machen wir nicht. Darum haben wir geistig das Werk gestrichen und uns überlegt, wohin wir währenddessen gehen sollten. Doch unserem Führer René sei Dank! Als alle schon auf dem Weg hinauf waren, bot er uns im Auftrag von Pierre an, mit der Seilbahn hinauf zu fahren und so ins Werk zu kommen. Welch glückliche Fügung! So kamen wir in den Genuss eines weiteren Highlights - einer Seilbahnfahrt in einer "Kiste" 200 Meter hinauf in den Fels. Mit uns mit kam auch Frank, der sich auch die Regenwanderung nicht antun und sich uns anschliessen wollte. Obwohl er an Höhenangst leidet, überwand er sich und stieg in die Kiste. Die Fahrt dauerte 7 Minuten und der kalte feuchte Wind pfiff uns um die Ohren. Gemütlich ist anders, und doch mochten wir diese spezielle Bahnfahrt nicht missen. Oben angekommen war die Freude bei allen gross - besonders bei Frank, der dank der Überwindung seines inneren Schweinehundes nun hier im Werk war.
So begannen wir auch hier unsere Fotos zu schiessen und arbeiteten uns nach unten im Werk vor. Das Werk selber muss als absoluter Overkill bezeichnet werden. Noch nie haben wir eine Anlage gesehen, wo so viele Meter Stollen nach oben und die Seiten gebohrt wurden, nur um dort mehr als 30 Lmg Stände zu platzieren. Eine gleiche Wirkung hätte man auch erzielen können, wenn man einzelne kleine Stände im Berg platziert hätte. Dies wäre sicher effizienter und billiger gewesen. Wie wir uns weiter nach unten arbeiteten, kamen uns dann im dritten Stock langsam die ersten Leute entgegen. Diese hatten sich die mehr als 600 Treppen vom 2. Stock hinauf gekämpft und staunten nicht schlecht, als wir plötzlich von oben entgegen kamen. Als wir dann auch im 2. Stock angekommen waren und diesen soweit uns möglich fertig fotografiert hatten, erfuhren wir, dass die Gruppe doch über den 1. Stock rein konnte und sich zumindest den Maschinenraum ansehen konnte. Den Rückweg würden dann alle über den Notausgang im 2. Stock antreten. René bot uns dann wieder an, dass er mit uns in den ersten Stock runter geht und wir auch noch dort einen kleinen Blick rein werfen könnten. Das Angebot nahmen wir gerne an und sahen so das Munitionsmagazin der 10.5 cm Batterie, einen der 10.5 cm Geschützstände und den Maschinenraum. Über den Haupteingang verliessen wir dann das Werk. Einen grossen Dank an dieser Stelle an Pierre und René für ihre Unterstützung!

Draussen regnete es inzwischen fast nicht mehr und so konnten wir ohne Schirm zurück zum Parkplatz hinunter laufen. Nachdem wir unsere Mittagsmahlzeit in Form von Sandwiches gegessen hatten, beschlossen wir einige Aussenfotos zu machen und dann nach Vernayaz rüber zu fahren. Dort sollten wir am Nachmittag das Infanteriewerk A68 besichtigen. Dieses ist das Gegenwerk zum Hauptwerk A69 der dortigen Sperrstelle. Das Hauptwerk ist leider nicht öffentlich zugänglich, da sein Haupteingang in einem Bahntunnel liegt. Es ist über eine Drahtseilbrücke über eine Schlucht mit dem Gegenwerk verbunden. Leider sind aber die Bretter derart morsch, dass die Brücke nicht begehbar ist. So schossen wir derweil von beiden Werken die Aussenfotos, während wir auf den Rest der Gruppe warteten. Just als wir dann alle versammelt waren und ins Werk wollten, begann es wieder in Strömen zu regnen. Natürlich stürmten alle ins trockene Werk, so auch wir. Nun hiess es Geduld zu haben und zu versuchen ein kleines Werk, welches gefüllt mit 60 Besuchern war, zu fotografieren. Dies funktionierte aber erstaunlich gut, nahmen doch die meisten Rücksicht aufeinander und machten Platz, so dass jeder zu seinen Fotos kam. Leider gab es auch hier den einen oder anderen Eigenbrötler, der nur auf sich schaute - diese waren aber zum Glück in der Minderzahl. So konnten wir also auch hier unsere Fotos machen und das Archiv vergrössern. Da wir am Ende doch müde und durchnässt waren, beschlossen wir zurück zum Hotel zu fahren und uns dort aufzuwärmen und den Tag bei einem feinen Nachtessen mit der Gruppe zu beenden.

Samstag, 1. September 2012
Der Samstag begann wie der Freitag geendet hatte: Verregnet! Auf den Bergspitzen war bereits der erste Schnee zu sehen. Dies war insofern etwas beunruhigend, als wir an diesem Tag etwas in die Höhe fahren sollten. Erstes Ziel war das ehemalige Artilleriewerk A27 Commeire an der Passstrasse zum St. Bernhard. Zwar fiel der Schnee nicht so weit hinunter, trotzdem zeigte das Thermometer nur gerade 5 Grad Celsius an, als wir vor dem Tor standen. Noch immer regnete es und die Gruppe wartete geduldig auf die Person, welche den Schlüssel bringen sollte. 10 Uhr war verstrichen, aber noch immer war kein Schlüssel in Sicht. Während nun heftig telefoniert wurde, um zu erfahren, wo denn der Schlüssel sei, beschlossen alle derweil Aussenfotos zu machen. Der Regengott hatte auch etwas Mitleid mit uns, denn langsam liess der Regen nach und etwas Sonne war hinter den Wolken zu erkennen. So stiegen wir hinauf zu den Ständen, welche das eigentliche Highlight hier oben sind. Diese sind auch heute noch perfekt als Scheunen getarnt und einem unaufmerksamen Passanten sicher nicht als Bunker erkennbar. Zwar waren wir schon vor 2 Jahren einmal hier oben und hier drin, aber das Gegenlicht verdarb uns etwas die Fotos. Dieses Mal war es der Regen und die Wolken, die uns einen Strich durch die Rechnung machten. Entschädigt wurden wir aber trotzdem. Seit unserem letzten Besuch hat der Verein wieder ein 7.5 cm Geschütz eingebaut. Pierre entfernte mit Hilfe von anderen die Tarnung und so konnten wir von diesem Bunker auch Fotos ohne Tarnung und mit Geschütz schiessen.
Inzwischen konnte auch der Schlüssel aufgetrieben werden und so konnte man dann nach einstündiger Verspätung auch das Werk von innen besichtigen. Obwohl wir das Werk schon kannten, haben wir trotzdem nochmals eine neue Serie geschossen und auch die Ecken aufgesucht, welche wir das letzte Mal vergessen hatten. Dazu gehörte auch der Aufstieg zum Beobachterstand über eine vierteilige Leiter in einem Vertikalstollen. Dieser bot genau für eine Person Platz. Christiane stieg hinauf und der Schreibende blieb unten um dafür zu sorgen, dass es zu keinem gefährlichen Stau auf der Leiter kommt. Just als Christiane beim Abstieg war, wollte ein anderer Besucher hinauf steigen. Ich bat ihn freundlich kurz zu warten, weil Christiane beim Abstieg sei und für zwei Personen kein Platz im Schacht ist. Dies verstand er aber gar nicht und wurde verbal ausfällig. Zum Glück habe ich genug breite Schultern und Durchzug in den Ohren, so dass ich ihn zu seinem Glück ignorierte. Typen wie dieser Ignorant waren Einzelfälle auf der Reise, die aber es immer wieder schaffen, negativ aufzufallen. Nachdem zum Schluss der Geschützstand auch fotografiert war, mussten wir alle das Werk auch wieder verlassen, wartete doch noch ein letzter Programmpunkt auf uns.

Dieser fand in Evionnaz statt. Hier sollte das dortige Infanteriewerk besucht werden, welches ein Museum ist und somit öffentlich zugänglich. Dieser Programmpunkt erwies sich für uns leider als kleine Enttäuschung. Weil das Werk für den freien Besuch hergerichtet ist, sind nur die wenigsten Werksteile zugänglich, und wenn, dann sind sie abgesperrt. Somit hielt sich das fotografische Erlebnis für uns in Grenzen und wir verliessen relativ bald wieder das Werk. Das war aber kein Problem, denn draussen gab es noch genug zu entdecken. Zumindest die Werksaussenanlagen waren frei zugänglich und auch die Sperranlagen vor dem Werk sind vielfältige und schöne Motive. In einem nahe gelegenen Waldstück verbarg sich aber das eigentliche Highlight für uns. In den alten Schanzen der Dufourstellung wurde ein Bunker eingebaut. Dies alleine ist wenig spektakulär. Spektakulär ist aber, dass dieser MG Bunker bereits 1936 erbaut wurde, also noch vor dem eigentlich Bunkerbauprogramm ab 1937. Als weitere Besonderheit sind Reliefs an der Aussenseite einbetoniert, welche Einheit und Erbauungsjahr dokumentieren. Es muss nicht immer ein grosses Werk sein, um eine Überraschung bereit zu haben. Da wir noch etwas Zeit vor dem Nachtessen hatten, sind wir noch über die Rhône nach Collognes gefahren, um die Gegenwerke kurz auszukundschaften. Diese wollten wir dann am Sonntagvormittag noch aufsuchen, bevor es zurück an den Bodensee gehen sollte. Auch diesen Abend hatten wir alle uns das leckere, gemeinsame Nachtessen verdient. Leider war es der letzte Abend in der Gruppe und es wird wieder ein Jahr vergehen, bevor man sich wieder sieht.

Sonntag, 2. September 2012
Am Sonntag trennten wir uns von der Reisegesellschaft. Während diese noch das leer geräumte Infanteriewerk Petit Mont besichtigen, machten wir uns auf nach Collognes. Hier stehen als Gegenwerke zu Evionnaz noch zahlreiche Bunker aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Die Sonne meinte es heute gut mit uns, denn für einmal brauchten wir keine Jacken oder Schirme. Die Bunker im unteren Teil waren alle schnell gefunden. Das noch dichte Laub erschwerte zwar das Fotografieren, aber unsere kleine Gartenschere entfernte die störendendsten Äste im Handumdrehen. Im oberen Abschnitt von Collognes befinden sich noch MG Stände aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Einer davon war aber in einem steilen Hang im Wald versteckt, so dass wir ihn wegen eines fehlenden Weges zuerst nicht finden konnten. Das liess uns keine Ruhe und so stieg Zarko zuerst einmal alleine ab und suchte einen Zugang. Dies war gar nicht so einfach, da der Boden sehr rutschig war und nur der "Vierradantrieb" half, vorwärts zu kommen. Als plötzlich alte Stahlpfähle im Wald auftauchten, wusste ich, dass ich den Weg gefunden hatte. Schon kurz danach stand ich vor dem noch bestens getarnten Bunker und rief zu Christiane hinauf, dass ich ihn gefunden hätte. Ein Abstieg mit der Kamera machte hier keinen Sinn, da es zu gefährlich war. Zum Glück habe ich aber immer eine kleine Kompaktkamera für Notfälle dabei und schoss damit einige Fotos. Nachdem auch noch der rutschige Aufstieg geschafft war, hiess es erst einmal wieder Luft holen. Der nächste Bunker hielt eine Überraschung für uns bereit. Andere aus der Reisegruppe hatten uns bereits informiert, dass die Anlage offen stand. Von aussen erkannte man, dass auch dieses Werk aus der Zeit des Ersten Weltkriegs stammte. Als wir aber die Tür öffneten erkannten wir sofort, dass hier etwas nicht stimmt. Drinnen war dann alles klar. Diese Anlage von 1914 muss in der Zeit des Kalten Krieges modernisiert worden sein. Dazu gehörten eine Eingangstüre aus Beton, moderne Türen im Inneren, ein Kollektivmaskenschutz und moderne Pivothalterungen für zwei MG. So etwas hatten wir bisher noch gar nie gesehen. Umso erfreuter und überraschter waren wir.
Nachdem wir hier oben fertig waren, blieb noch etwas Zeit übrig vor der Rückreise. Von Michel wussten wir, dass das Gegenwerk zu Les Follatères offen stand. Also dachten wir uns, dass wir den "Tag der offenen Türen" ausnutzen und sind noch zu A67 gefahren. Nach kurzem Aufstieg waren wir auch schon vor dem Eingang. Tatsächlich standen alle Türen offen und auch ein Teil des Lichts funktionierte noch. Die Spuren zeigten deutlich, dass offenbar auch noch andere aus der Gruppe bereits hier oben waren. Also sind wir auch noch hier hinein und haben noch das Werk dokumentiert. Im Inneren gab es auch wieder einen Leiter, die hinauf zum MG Stand führte. Christiane liess es sich nehmen, hier auch noch hinauf zu klettern und zum Schluss auch diesen Stand zu dokumentieren. Damit hatte es sich dann auch für diese vier Tage und wir schlossen hier unsere Reise ab. Nun hiess es nur noch zusammen packen und nach Hause zu fahren.

An dieser Stelle bedanken wir uns nochmals herzlichst bei Pierre Frei für das tolle Programm und die tadellose Organisation. In vier Tagen konnten wir viele uns unbekannte Werke besichtigen und sind mit einer Fülle von über 2000 Fotos nach Hause gekommen. Ebenso bedanken wir uns nochmals herzlich bei René für seine Unterstützung, ohne die wir einige Fotos nicht hätten machen können. Einen besonderen Gruss senden wir an unsere Kollegen von der Reise und hoffen, dass sie alle gut nach Haus gekommen sind. Wir hoffen, dass wir uns dann 2013 wieder sehen. Bis dann!

















10. August 2012: Erkundung am Julierpass
Der Julierpass stand bei uns schon lange auf der Liste der unbedingt zu besuchenden Sperrstellen ganz oben. Nun war es endlich soweit - das Wetter passt, die Jahreszeit passt und der Termin passte. Also packten wir am Freitag unsere sieben Sachen und fuhren hinauf zum Julier. Begleitet wurden wir dabei einmal nicht von einem anderen Bunkerfreund, sondern von einer jungen Kollegin von uns, welche zwar mit dem ganzen Thema bisher nichts am Hut hatte, uns aber trotzdem auch einmal bei einer Tour begleiten wollte.
Bereits um 9:30 Uhr waren wir auf der sonnigen, aber sehr windigen Passhöhe angekommen. Aber schon um diese Uhrzeit waren wir nicht mehr alleine, denn Busladungen von Touristen storchelten schon rund um die Passhöhe im Gelände umher. Kein Problem für uns, lagen doch unsere heutigen Besuchsziele weitab der regulären Touristenpfade.

Der Julierpass gehört zu den Sperrstellen von nationaler Bedeutung. Der Julier war schon zu Zeiten der Römer einer der wichtigsten Alpenübergänge. Davon zeugen nicht nur archäologische Funde, sondern auch Radspuren weisen nach, dass der Pass befahren wurde. Diese Bedeutung verdankt er vor allem seiner günstigen Topographie. 1820 baute der Kanton Graubünden eine neue Fahrstrasse, welche dann erst in den 1930er Jahren grösser ausgebaut wurde. Bereits 1937 rekognoszierte man den Julierpass und definierte seine Sperranlagen. Ab 1938 begann man mit dem Bau von zwei Infanteriewerken und übergab diese im Februar 1940 der Truppe. Diese beiden Infanteriewerke und die im Kalten Krieg erstellten Anlagen - zu welchen neben Unterstände in Form von Felskavernen auch ein 8.1cm Festungsminenwerfer gehörte - waren unser Besuchsziel für diesen Tag.
Nachdem wir unsere Ausrüstung zusammengestellt hatten und vom Parkplatz aus die ersten Fotos vom Werk A7686 Julier links geschossen haben, begannen wir den Aufstieg zum Eingang dieses Infanteriewerks. Im schönsten Sonnenschein konnten wir dabei die Umgebung geniessen und unserer heutigen jungen Begleitung einiges zur Geschichte der vergessenen Igel erzählen. Dieser jüngere Teil der Schweizer Geschichte wird heute in fast keiner Schule mehr vermittelt, und so wundert es uns nicht, dass die kommenden Generationen bald keine Ahnung mehr davon haben werden, warum man überhaupt solche Anlagen in den Fels haute und wozu diese dienten. Ganz zu schweigen davon, dass diese Generation weiss, wie es im Inneren von solchen Werken aussieht. Nicht nur das mangelnde Interesse unserer Bildungszuständigen ist dafür verantwortlich, sondern auch die Armee, welche keinerlei Beitrag dazu mehr leisten will. So schwindet dann nur noch mehr die Unterstützung für unsere Armee bei den jungen Leuten, weil diese immer noch denken, dass die Armee hinter solchen Bunkern hockt und das Geld eh nur zum Fenster raus wirft. Wenn man Unterstützung für eine Sache haben will, so muss man dafür sorgen, dass die Leute wissen, welche Geschichte etwas hat, warum es gebraucht wurde/wird und wie in Zukunft diese Sache dem Bürger dient. Es spielt keine Rolle ob diese "Sache" die Armee als Ganzes oder zum Beispiel neue Kampfflugzeuge oder andere Waffensysteme sind.
Hier könnte sich unsere Armee in Sachen Tradition, Geschichtsbewahrung und Imagepflege bei anderen Armeen (in "Ost und West") umschauen, welche nach wie vor auf die Unterstützung ihrer Bürger zählen können. Geschichte wird dort nicht unter den Teppich gekehrt oder verdrängt, sondern man pflegt diese und unterstützt Menschen, welche sich auch damit beschäftigen wollen. Wir konnten dies bei unserem USA Aufenthalt immer wieder beobachten, wo Busladungen voll Schülern an einen geschichtsträchtigen Ort, wie zum Beispiel dem ehemaligen Flugzeugträger USS Midway (San Diego) herangekarrt wurden und durch Veteranen Geschichte lebendig vermittelt bekamen. Das Museum der USS Midway kann sich bei seinen Bemühungen der Unterstützung der US Navy sicher sein und wird von der US Navy nicht als eine Bedrohung oder Konkurrenz empfunden, sondern als wichtigen Partner, um seine Tradition und Geschichte zu pflegen. Dies führt dann dazu, dass sich die US Navy der Unterstützung der kommenden Generationen sicher sein kann. Solche Denkweisen werden aber in der Schweiz leider vermisst und selten gefunden. Wagt aber eine Stelle dann doch einen Beitrag zur Traditions- und Geschichtspflege zu leisten, wird sie von "Bern" zurück gepfiffen. So bekommt man bei der Masse des "gewöhnlichen (Stimm-!!) Volks" aber keine Mehrheiten bei kommen Abstimmungen mehr. Es wird Zeit, dass das Wort PR Einzug hält bei unserer Armee! Dabei ist jeder als Partner zu betrachten, der der Armee hilft, ein positives Image zu erhalten und sollte entsprechend unbürokratisch unterstützt werden. Dass dem heute nicht so ist, wissen wir von den zahllosen Erzählungen von vielen Festungsvereinen und -museen. Jüngstes Beispiel ist der Verkauf einer Anlage von nationaler Bedeutung. Diese soll nicht an einen Verein verkauft werden, der sie unterhalten, pflegen und zugänglich halten will, sondern an eine Gemeinde, die sie so schnell als möglich zurückbauen und zumauern will. Wir hoffen, dass "Bern" auf diesen Entscheid zurück kommt und doch nach "Reglement GMV" (gesunder Menschenverstand) handelt. Oder wurde dieses Reglement auch mit der Einführung von Armee XXI ausgemustert?
So haben wir dann halt an diesem Tag etwas Bildungsauftrag wahr genommen und einem jungen Bürger etwas Geschichtswissen vermittelt, das man sonst als normaler Jugendlicher nirgends mehr bekommt. Beim Werkeingang oben angekommen, konnten wir dann schon wie am Vortag am Pizalun einen kleinen Erfolg feiern, weil das Werk (wie wir durch einen anderen Bunkerfreund erfahren haben) offen stand. Offenbar nutzte ein "lokaler Schiessverein" den langen Gang als Schiesstand. Zahlreiche Einschusslöcher am Ende des Gangs und ein zerschossener Abfalleimer zeugen davon. Die Anlage präsentierte sich innen aber sonst in einem erstaunlich guten Zustand. Viele Einrichtungsgegenstände waren noch vorhanden. Dazu zählten neben dem Motor und der Pak Lafette auch Teile der Filteranlage und das meiste der dazu gehörenden Installationen. So konnte unsere Begleiterin einmal gut sehen, wie solche Anlagen etwa ausgesehen haben und sich einen Eindruck von einer Festung holen. Und wir waren froh, in diesem dunklen Loch einen zusätzlichen Hilfsbeleuchter zu haben, so dass wir am Ende trotz fehlenden Lichts doch gute Fotos machen konnten.
Nach dem Abstieg haben wir noch das GPH in Form von Natursteinblöcken und einige Unterstandskavernen aufgesucht. Auch besucht haben wir eine kleine Waffenstellung beim See auf dem Pass. Nun war es schon Mittag geworden und so genossen wir zusammen einen Imbiss auf einer Wiese am Pass und genossen die Sonne. Am Nachmittag nahmen wir dann zusammen den Aufstieg zum Werk A7687 Julier rechts in Angriff. Die Informationen unseres Informanten stimmten und auch dieses Werk stand offen. Im Gegensatz zum Julier links war diese Höhle eher etwas feucht und komplett leer geräumt. Ausser leeren Gängen gab es nicht mehr viel zu entdecken. Das muss dann aber der Grund sein, warum sich diese Gänge bei Paintball-Spielern offenbar einmal Beliebtheit erfreut haben. Farbige Spritzer von Paintballkugeln in der Anlage zeugen davon. Zum Schluss haben wie dann hier oben noch die Scharten von aussen fotografiert. Diese wurden leider in Vergangenheit zugemauert, sind aber trotzdem noch gut zu erkennen. Damit war diese Anlage auch fertig dokumentiert und wir marschierten wieder hinunter zu einem verlassenen ASU. Ganz verlassen war dieser aber dann doch nicht. Rund um den ehemaligen "Menschenbunker" haben sich Murmeltiere eine eigene Festung gegraben. Diese muss unter dem ehemaligen ASU liegen, denn die Pfiffe der Tiere klangen so, als ob sie direkt drin hausen würden. Da der ASU auch offen stand, konnten wir uns aber überzeugen, dass kein Tier eingesperrt war und die Tiere nur die Umgebung zu ihrer Festung ausgebaut haben. Dass ehemalige menschliche Festungen offenbar bei Murmeltieren beliebt sein müssen, konnten wir dann bei unserem nächsten Besuchsziel wieder sehen. Der ehemalige Festungsminenwerfer A7665 ist heute auch von Murmeltieren durchsetzt. Gerade als wir um die Ecke bogen, verschwanden die possierlichen Tiere in den Löchern, die sie rund um den Bunker gebuddelt haben. Nachdem der Minenwerfer auch abgelichtet war, haben wir zum Schluss dann noch zwei Felskavernen aufgesucht und fotografiert. Nicht dass es noch mehr solcher Kaveren gegeben hätte, die man hätte besuchen können, aber die Zeit für den heutigen Tag war abgelaufen und so beendeten wir dann damit unsere Exkursion am Julierpass.

Zurück kamen wir mit massig schönen und guten Fotos einer uns bisher noch unbekannten Sperrstelle. Auch unsere Begleitung hatte Spass an ihrer Erkundung mit uns und hat am Ende vom Tag auch gelernt, etwas ihre Angst vor dem Dunkeln zu überwinden. Sie war uns nicht nur eine nette Begleitung, sondern auch eine nützliche Hilfe. Gerne nehmen wir sie wieder einmal mit, wenn wir z'Berg gehen und uns auf die Suche nach den vergessenen Igeln begeben. Diese Suche und (Foto-) Dokumentation ist unser Beitrag einen Teil der Schweizerischen Geschichte und Tradition für jerdermann zu dokumentieren und lebendig zu erhalten. Die vielen tausend Besucher, die jeden Monat unsere Webpage besuchen, zeugen davon, dass das Interesse daran noch nicht verblasst ist.













09. August 2012: Via Kunkelspass auf den Pizalun
Der Sommer scheint im August nachzuholen, was er im Juli versäumt hat. Die sonnigen Tage verleiteten auch uns dazu, ein paar Tage frei zu nehmen und etwas auf Wanderschaft zu gehen. Ziel des Ausfluges sollten ein paar abgelegene Anlagen der Festung Sargans sein, welche wir bisher nie besucht haben.

Am südlichsten Ende des Festungsgebietes Sargans liegt die Sperrstelle Carschlinkopf mit dem Übergang am Kunkelspass. Dieser Pass ist einer der unbekannten Pässe in der Schweiz. Dies, obwohl er schon zur Römerzeit als Saumweg benutzt wurde. Er diente auch als Ausweichroute, wenn das Rheintal bei Hochwasser nicht begehbar war oder Brücken unpassierbar wurden. Im Ersten Weltkrieg baute man eine schmale Fahrstrasse mit Tunnel, welche zum Herzstück des Passes wurde. Der Pass erlangte im Zweiten Weltkrieg an Bedeutung, konnte doch von hier die Sperre bei Trimmis umgangen werden. Der Pass konnte aber auch als alternative Route zur Versorgung der Festung benutzt werden. Grund genug, dass man den Tunnel 1940 mit einer Minenkammer ergänzte und zur Zerstörung vorbereitete. 1941 fügte man noch eine MG Kaverne hinzu, welche auf das südliche Tunnelportal wirken konnte.
Normalerweise ist der Kunkelspass für Autos nicht befahrbar und ist heute eine beliebte Route bei Bikern. Die Gemeinde Tamis vergibt jedoch kostenpflichtige Fahrbewilligungen und genau eine solche sind wir uns als erstes holen gegangen. Mit dieser sind wir dann die Passtrasse hinauf gefahren und hielten dann direkt beim nördlichen Tunnelportal, wo ein kleiner "Parkplatz" vorhanden war. Dieser muss offenbar früher von der Armee angelegt worden sein, um von hier die Anlagen zu warten. Im Tunnel fanden wir dann die Minenkammer, welche als kleines Bijou ein Relief der hier eingesetzten Min Kp 2 enthielt. Eine Öffnung im Tunnel gab uns dann den Blick frei auf die Scharte der MG Kaverne A7760. Schnell auf den Chip gebrannt, sind wir dann auch zur Kaverne rüber gelaufen. Ein schmaler Schotterpfad führte uns dann direkt zum Eingang der Kaverne, welche zu unserer Freude offen stand. Die Kaverne selber war zwar unspektakulär, dafür war der betonierte MG Tisch umso interessanter und auch der Blick aus der Scharte hinaus war nicht ohne. Schnell waren die Fotos im Kasten und so haben wir dann noch die Strecke und Umgebung des Kunkelspasses genossen, während wir hinunter nach Vättis fuhren.
Bei St.Peter hielten wir kurz an und betrachteten die dortige Sperrstelle. Diese lag aber in derart ungünstigem Licht, dass es keinen Sinn machte, hier nochmals Fotos zu schiessen. Da wir bei unserem ersten Besuch hier schon sehr gute Fotos machen konnten, beschlossen wir, hier keine Zeit zu verschwenden und fuhren hinauf nach Fürggli, oberhalb von Furggels. Von hier aus sollten wir dann aufbrechen zu unserem Nachmittagsziel auf dem Pizalun. Zuvor aber genossen wir ein Sandwich auf einer sonnigen Parkbank und die Ruhe hier oben.
Der Pizalun ist mit seinen 1473 Metern Höhe einer der dominierenden Erhebungen in der Umgebung und bietet eine prächtige Aussicht auf das Rheintal und den südlichen Abschnitt des Sarganser Kessels. Dies entging auch nicht den Planern der Festung Sargans, welche hier ab August 1940 eine Unterkunftskaverne für 50 Mann erstellen liessen. Diese diente - zusammen mit einem weiteren externen Stand - auch als Artillerie Beobachterstellung für die Feuerleitung in diesem Abschnitt. Hauptsächliche Aufgabe der Truppe hier oben war aber, eine südliche Annäherung auf Furggels zu verhindern.
Nachdem die Sandwichs vertilgt waren, haben wir dann den Aufstieg in Angriff genommen. Ein Wanderweg führte uns in 45 Minuten direkt hinauf, wo man zum Schluss eine 15 Meter hohe Treppe hinauf steigen kann, um von einer Aussichtsplattform einen wundervollen Ausblick in alle Richtungen zu geniessen. Dies haben wir dann auch gemacht und das herrliche Berg- und Talpanorama genossen. Natürlich nutzten wir die Gelegenheit, um auch viele Übersichtsfotos zu machen, welche unsere Dokumentation wunderbar ergänzen werden. Gleich unterhalb der Plattform liegt der Beobachter-Annex des Pizalun. Der Eingang ist einfach zugänglich und so konnten wir diesen einfach fotografieren. Da die Türe verschlossen war und die Scharte auf der anderen Seite des Gipfels nicht erreichbar ist, sind wir zum Werkeingang der Unterstandkaverne abgestiegen. Die zweiteilige Betontüre - wie sie üblicherweise bei höher gelegeneren Anlagen benutzt wurde - zum Werk ist einfach zu finden, da sie sich direkt beim Ende des Wanderweges befindet.
Dass es sich lohnt, immer den Türgriff zu drücken oder am Türhebel zu ziehen sollten wir hier nicht zum letzten Mal für diese Tage lernen. Ein kurzer Zug an der Türe und hopp - stand sie offen! Der Weg hier herauf hat sich also gelohnt. Offenbar wird die Anlage des Öfteren von "Partyvolk" genutzt, zeugten doch viele frische Kerzen in der ganzen Anlage davon, dass das Werk trotz seiner abgelegenen Lage rege besucht wird. Die kleine Kaverne ist zum Teil noch mit allerlei Dingen ausgerüstet und so konnten wir Fotos schiessen, die nicht nur leere Räume zeigen. Am Ende der Kaverne befindet sich noch ein weiterer Beobachterstand für den Artilleriebeobachter und eine Tür zu einem "Notausgang". Die Scharte war relativ gross und einer kleinen Metalltüre verschlossen, welche sich mit Hilfe eines Steines öffnen liess. Der Notausgang selber war verschlossen. Da die Schartenöffnung für eine Person von der Grösse Christianes gross genug war, kamen wir gleich auf die Idee, hier auch zu versuchen, ein Aussenfoto von der Scharte zu machen, welche normalerweise nicht zugänglich ist. Langsam kroch Christiane auf den Felsvorsprung hinaus, um Fotos zu machen. Wohin man im Notfall von hier aus hätte kommen sollen, ist uns ein Rätsel. Auf- oder abwärts geht es von hier jedenfalls nur mit einem Seil. Christiane ist aber zum Glück resistent gegen Höhenagst und hat schon von wilderen Positionen aus Schartenfotos gemacht. Deshalb fiel es ihr leicht, auch von dieser Scharte einige Fotos zu machen, um euch so wieder einen bisher unbekannten Anblick auf einen vergessenen Igel zu bieten. (Das entsprechende Foto ziert dieser Tage übrigens als Titelbild unsere Homepage.) Das Hineinkriechen verlief etwas umständlicher, stellte aber keine grossen Probleme dar. Wir sind halt inzwischen ein eingespieltes Team, mit klar verteilten Rollen. So verliessen wir dann die dunkle Höhle wieder und stiegen langsam und zufrieden ab zu unserem Auto.
Obwohl es erst drei Uhr war, beschlossen wir den Tag hier zu beenden und nach Hause zu fahren. Für den kommenden Tag hatten wir eine Passtour in einer komplett anderen Gegend geplant und wollten unsere Kräfte dafür etwas schonen. Auch wenn es eine relativ kleine Tour war, so konnten wir nun zusammen mit der Kaverne auf dem Chimmispitz - welche wir am 1. August besucht haben - die Dokumentation zu Furggels mit den abgelegensten Anlagen dieser Sperrstelle abschliessen. Entsprechend zufrieden fuhren wir heim und freuten uns auf ein feines Nachtessen in Form von Christianes legendären "Vorarlberger Käsknöpfle".














02. August 2012: Unterwegs in den Höhen der Festung Sargans
Für den 2. August hatten wir mit Martin schon länger eine Erkundung in den Maienfelder Alpen vorgesehen. Hier oben erbauten die Planer der Festung Sargans zahlreiche Gebirgsunterstände und MG Kavernen, welche helfen sollten, eine Umgehung der Festung Sargans über diesen Gebirgsabschnitt zu verhindern. Dass dies keine wilden Hirngespinste waren, bezeugt die Tatsache, dass bereits 1799 die Österreicher beim Angriff auf die von den Franzosen besetzte Lutzisteig die Gebirgsübergänge hier oben erfolgreich genutzt haben. Um aber hier hinauf zu kommen, muss man entweder die Älplibahn nehmen - welche im Übrigen eine ehemalige Militärseilbahn ist und für den Nachschubtransport hier hinauf genutzt wurde - und dann jede Menge laufen, oder man kennt jemanden mit Fahrbewilligung (so wie z. B. Martin) und fährt dann hier hinauf. Eine wesentlich effizientere Variante, wie sich noch heraus stellen sollte.

Trotz der anstrengenden Tour vom Vortag trafen wir uns bereits wieder um 10 Uhr auf dem Parkplatz in Fläsch, wo wir das Material in den Wagen von Martin luden und dann Richtung Maienfelder Alpen los fuhren. Der Weg führt eine lange und staubige Bergstrasse hinauf, welche mit zahlreichen Kurven durchsetzt ist. Je weiter wir uns hinauf begaben, desto besser wurde die Aussicht. Am ersten Ziel des Tages angekommen, genossen wir dann auch zuerst einmal das herrliche Bergpanorama, welches man hier oben hat. Die Festung Sargans sind nicht nur die Bunker im Tal, sondern auch die Anlagen in den Höhen, so wie hier oben. Als erstes besuchten wir die Gebirgskaverne A6273 beim Übergang Badkamm. Diese Kaverne ist ein typisches Exemplar von Höhenunterkünften, wie sie im Zweiten Weltkrieg bei allen wichtigen Hochgebirgsübergängen gebaut wurden. Diese boten Platz für 50 Mann und waren sehr spartanisch eingerichtet. Neben einer einfachen Kochstelle gab es an Infrastruktur noch ein türkisches Klosett und ein Paar 300 Liter Trinkwassertanks. Die Räume konnten mit einem Holzofen beheizt werden und mussten dabei manuell belüftet werden. Die Calandage in dieser Kaverne war gemauert, was, wie wir noch sehen sollten, nicht überall der Fall war. Da dies unsere erste Gebirgskaverne war, die wir sahen, nahmen wir uns entsprechend viel Zeit, diese ausführlich zu besichtigen.
Links und rechts des Übergangs beim Badkamm errichtete man von November 1939 bis Herbst 1942 zwei MG Kavernen, welche diesen Übergang sperren sollten. So besuchten wir als nächstes die MG Kaverne A6272. Deren Eingang war zum grossen Teil verschüttet, so dass nur "schmächtigere" Personen sich durch das teilverschüttete Loch zwängen konnten. Während also Schwergewicht Zarko draussen warten musste, erkundeten Martin und Christiane die Stollen des Werks. Neben ein paar Stollen und zwei Waffenstellungen für je ein MG und Lmg gab es nur viel Unrat und leider Kot zu entdecken. Offenbar nutzen Wanderer diese abgelegene Anlage als ihr Not-Abort. Nachdem die Innenfotos gemacht waren, suchten wir noch die Stände von aussen auf. Auch hier bot sich das gleiche Bild, waren die Stände doch inzwischen teilweise verschüttet. Trotzdem gab es ein paar schöne Aufnahmen davon. Die Zeit war bereits soweit fortgeschritten, dass wir zuerst eine Mittagsrast hier oben machten und unsere mitgebrachten Sandwiches verdrückten.
Dort oben gibt es noch den MG Bunker A6274 Falkenhorst und eine kleine Kaverne beim Gleggkamm. Den MG Bunker hoben wir uns wegen der Lichtverhältnisse für später auf und beschlossen, auch den kleinen Unterstand links liegen zu lassen. Vielmehr wollten wir zur Gebirgskaverne A6278 Ijesbachfall gehen, da diese gemäss Martin etwas Spezielles sei. Um dorthin zu gelangen, muss man wieder eine abenteuerliche Alpstrasse fahren, welche sogar durch zwei "wilde" Tunnels führt. Bei der Alp Ijes angekommen, haben wir das Auto parkiert und den Aufstieg zum Unterstand in Angriff genommen. Dieser führte über blühende Alpwiesen und war dank der reizvollen Landschaft eine schöne kleine Wanderung. Auch hier war das Glück uns hold, stand doch eine der Türen offen. Innen erwartete uns dann wirklich ein Anblick, wie man ihn bald sicher nirgends mehr haben wird. Im Gegensatz zur letzten Kaverne war hier der ganze Innenausbau der Calandage nicht gemauert worden, sondern bestand aus einem Holzeinbau. Zwei Drittel des Holzhauses standen noch in der Kaverne und nur der hinterste Teil ist inzwischen wegen der Feuchtigkeit zusammen gebrochen. Auch hier war die Kaverne noch mit aller Infrastruktur ausgestattet und auch ein grosser Teil der Fliegerpritschen steht noch in den Räumen herum. Sogar die Rauchgasabzugsvorrichtung war fast noch ganz intakt. Natürlich freuten wir uns über diesen Fund und nahmen uns auch genügend Zeit, das Ganze zu dokumentieren. Wer weiss, wann der Berg auch diese Anlage verschlingt und unter sich begräbt.
Nach einem entspannenden Rückmarsch kamen wir dann auch wieder zurück zum Auto und beschlossen, zurück zum Badkamm zu fahren und den Falkenhorst zu erklimmen. Auf dem Rückweg passierte dann auch ein kleines Malheur. Bei den Strassen hat es immer wieder Drahtzäune die für die Durchfahrt geöffnet werden müssen. Als guter Beifahrer stieg ich natürlich immer aus und öffnete den Durchgang. Leider übersah ich auf der Strasse einen Stein und rutschte darauf etwas unglücklich aus. Knacks - das Knie wurde leicht verdreht und begann zu schmerzen. Das bedeutete, dass der Falkenhorst für mich nur von unten besichtigt werden konnte. An den steilen Aufstieg mit den Schmerzen im Knie war nicht zu denken. So sind dann Martin und Christiane alleine hinauf gestiegen. Auch hier war die Türe offen und so konnten sie dann auch diese Stellung erkunden. Diese besteht wiederum aus je einem MG und Lmg Stand und zwei Blinkrohren. Ein grosser Teil der Infrastruktur bei den Waffenstellungen ist noch erhalten und zeigt, dass im Gegensatz zu den Bunkern im Tal hier nur das absolut Notwendigste eingebaut wurde. Diese Stellungen sind kein Vergleich zu den Bunkern im Tal. Kein Wunder, musste doch jedes Kilo mühsam durch Trainpferde hier hinauf transportiert werden. Da überlegt man sich dann mehr als einmal, was es wirklich hier oben braucht und was nicht. Zum Schluss wurden dann auch noch die Aussenanlagen abgelichtet. Dazu gehört auch eine Unterkunftsbaracke direkt am Eingang des Werks. Diese diente als Unterkunft für die Werksbesatzung und Truppen dieser Sperre in Friedenszeit. Als Kriegsanlage nutzte man die als erstes besuchte Unterkunftskaverne A6273. Während die beiden also dort oben am Hang herumkraxelten, schonte der Schreibende sein Knie und bedauerte es, nicht dabei zu sein. Die Fotos, welche Christiane mitbrachte, bestätigten dann auch, dass der Besuch dort oben mehr als lohnenswert war.
Wie schnell doch die Zeit vergeht, wenn man sich intensiv mit etwas beschäftigt und ständig unterwegs ist. Als wir uns wieder alle beim Auto trafen, war es bereits fast 17 Uhr. Langsam zogen am Himmel die angekündigten dunklen Wolken auf. Über Flums sah man, wie heftiger Regen fiel - Grund genug, schnell den Rückzug anzutreten und nach unten zu fahren, bevor der Regen kam. Die Schotterstrassen können ganz schön tückisch sein hier oben, wenn es heftig regnet. Und so hiess es also den Tag abzuschliessen, noch bevor wir alles gesehen hatten, was vernünftig erreichbar ist. Exakt als wir in Fläsch wieder ankamen, begann es auch dort stark zu regnen. So reichte die Zeit dann auch nur noch für einen schnellen Materialtransfer in unser Auto und für eine kurze Verabschiedung. Darum holen wir an dieser Stelle nochmals den herzlichen Dank an Martin nach, dass er sich diese zwei Augusttage Zeit für uns genommen hat und uns durch die Höhen der Festung Sargans geführt hat. Die Aussicht und die Anlagen hier oben sind sehr speziell und unbedingt einen Besuch wert. Wir müssen jedenfalls hier unbedingt nochmals rauf, denn es gibt noch ein paar Dinge zu entdecken.














01. August 2012: 1. Augustfeiertag auf dem Chimmispitz
Nach den vielen verregneten Wochenenden im Juli, versprachen der 1. August endlich die begehrte Sonne zu bringen. Grund genug für uns, endlich wieder einmal auf Tour zu gehen. Diese sollte uns aber höher hinaus bringen, als wir ursprünglich geplant hatten. "Schuld" daran waren nur 20 Minuten.

Der 1. August sollte uns nochmals zur Sperrstelle Chlus und zu den dortigen Anlagen führen. Einerseits wollten wir noch ein paar bisher nicht besuchte Teile ablaufen, und andererseits hatten wir geplant, einen Abstieg zu den Scharten beim Infanteriewerk Felsenbach zu machen. Der erste Teil verlief dann noch wie geplant. Christiane wurde oberhalb von der Chlus ausgeladen und lief den Wanderweg hinunter. Dort suchte sie eine alte Felskaverne auf, welche früher als Unterstand und später als Minendepot genutzt wurde. Des Weiteren findet man auf dem abschüssigen Wanderweg noch ein altes Sprengobjekt. Dieses ist ein schönes Beispiel dafür, dass man in der Planung nicht nur grosse Strassen und Brücken sprengen wollte, sondern auch abgelegene Fusswege dafür vorbereitet hatte. Währenddessen fuhr der Schreibende hinunter zur Ganda, parkierte dort und lief hinauf zum Infanteriewerk Felsenbach. Mit Erstaunen konnte ich dabei feststellen, dass der Wanderweg inzwischen wunderbar saniert wurde und der ehemals gefährliche Aufstieg nun ein Spaziergang ist. Dort oben trafen wir uns dann wieder und versuchten nun zu den Scharten zu kommen. Dank einiger Hinweise haben wird dann auch schnell einen Abstieg gefunden und dieser führte uns relativ einfach zu einem Punkt oberhalb des Notausgangs. Von da an musste man eine abschüssige Geröllhalde hinunter klettern. Also versuchte ich es zuerst selber. Als ich aber halb unten war, begann das Geröll dermassen zu rutschen, dass ich den Versuch abbrach und wieder hinauf stieg. Das Risiko war ohne Sicherungsseile und Kletterausrüstung zu gross. Also beschlossen wir, hier abzubrechen und im Herbst mit geeigneter Ausrüstung und Hilfspersonal nochmals einen Versuch zu starten.
Just, als wir uns nun fragten, was wir als nächstes machen sollten kam ein SMS von unserem Bunkerkollegen Martin. Dieser bot uns an, doch zum Artilleriebeobachter Chimmispitz hinauf zu kommen, da er uns helfen könne, diesen innen zu besichtigen. Der Aufstieg dorthin dauere nur "20 Minuten". Nach einem kurzen Telefonat und Rückfrage zum Aufstieg beschlossen wir spontan, das Angebot anzunehmen. Zuerst wollten wir aber beim Felsenbach noch die beiden Aussenverteidigungsstellungen und den Pak Stand West ablichten. Diese sind alle einfach zu erreichen und entsprechend schnell waren wir dann hier oben für diesen Tag fertig. So stiegen wir dann ins Auto und fuhren hinauf zum vereinbarten Treffpunkt in Furggels.
Der Artilleriebeobachter auf dem Chimmispitz liegt auf 1'800 Meter und ist nur über steile, knapp zwei Stunden dauernde Aufstiege zu Fuss erreichbar. Dies war auch bisher der Grund, warum wir von einem Besuch dort abgesehen haben. Zwei Stunden klettern für nur eine Eingangstüre schien uns bisher doch ein zu hoher "Preis" - zumal es noch genug zu entdecken gab mit weniger Aufwand. Martin jedoch hat eine Fahrbewilligung für eine Strasse, von wo aus der Aufstieg - gemäss seinen Beschreibungen - "nur 20 Minuten" dauert. Dieser "kurze" Aufstieg, verbunden mit der Aussicht, die Anlage auch innen zu sehen, war dann auch "schuld" dass wir zusagten. Dies sollten die längsten und schweisstreibendsten 20 Minuten des Lebens werden. Aber der Reihe nach.
Nachdem wir uns getroffen hatten, fuhren wir zuerst einen Teil der Strasse hinauf. Auf einem Platz, wo während des WEF die Armee jeweils einen TAFLIR aufstellt, haben wir zuerst einen Sandwich genossen und uns etwas gestärkt. Dies gab uns die Gelegenheit, auch einige schöne Umgebungsfotos zu machen. Danach ging es sofort weiter und der Parkplatz war dann auch schnell erreicht. Hier sahen wir keinen Chimmispitz und nur einen sehr steilen Felsweg. Gemäss Martin geht es nun hier hinauf und man sei gleich mal oben. Nun, er wird wissen, was er sagt, und so packten wir unsere Sachen und begannen unter der brennenden Sonne den Aufstieg. Der Weg blieb immer gleich steil und als die Strasse fertig war, sahen wir zwar den Chimmispitz, aber auch einen steilen Wiesenhang, den wir erklimmen sollten. Weiter ging es bergauf und die 20 Minuten waren bald einmal fertig, ohne dass wir uns gefühlt dem Ziel genähert hätten. Weiter oben sahen wir dann ein Ferienhäuschen - dieses sollte das Zwischenziel sein, wo Getränke und Rast auf uns warteten. Die Hütte gehört Martins Eltern und diese begrüssten uns freundlich und boten uns einen Sitzplatz und etwas zu trinken an. Was zum Teufel für eine Uhr hat Martin an seinem Handgelenk? Wo wurde diese hergestellt, dass 20 Minuten so lang sind? Oder lag es am Ende gar an uns? Vermutlich schon, denn so geübt wie Martin sind wir im Erklimmen von Steilhängen doch nicht. Er geht hier so oft auf und ab, dass es bei ihm sicherlich nur 20 Minuten sind. Bei uns waren es dann 40 Minuten. :-)
Frisch gestärkt nahmen wir dann noch den letzten Abschnitt in Angriff und hier waren wir dann wirklich nach 15 Minuten oben bei der Alp Maton und beim Chimmispitz. Passend zum Nationalfeiertag hat der Bauer seine Hütte festlich geschmückt und die Fahne wehte stolz im Wind, während unten der Sarganserkessel und Rheintal zu unseren Füssen lag. Was für eine phantastische Aussicht! Der Schweiss und die Mühen waren sofort vergessen und nur die Aussicht zählte. Zum Glück hat Martin mit den 20 Minuten untertrieben, denn sonst wären wir nie hier herauf gekommen und hätten diese tolle Aussicht verpasst.
Auf dem Chimmispitz selber haben wir zuerst einen Aussenrundgang gemacht und die Aussenteile der Anlage fotografiert. Daneben gibt es noch zahlreiche Reste von ehemaligen Feldstellungen für MG und Minenwerfer. Die Reduitlinie verlief genau hier oben durch und der Übergang beim "Bärenfallen" wurde hier oben mobil verteidigt. Die Truppen waren in Friedenszeiten in Baracken untergebracht und für den Kriegsfall stand das Werk auch als Unterstand für 50 Mann zur Verfügung. Übernommen wurde die Anlage von der Gemeinde Pfäfers, welche diese einmal vermietet hatte. Heute scheint sich niemand mehr darum zu kümmern. Das Werk selber ist eine feuchte Höhle. Ausser verschimmelten und vergrauten Räumen, welche mit vermoderten Gegenständen gefüllt sind, gibt es auf den ersten Blick nicht viel zu sehen. Doch dann sind da viele Kleinigkeiten, die für den Bunkerfan äusserst spannend sind und die Anlage dann doch wieder besonders machen. So sei hier exemplarisch der Eingangsstollen zur Unterkunft erwähnt. Hier wurden links und rechts Halterungen für Ski angebracht und ein Abfluss für das Tropfwasser des geschmolzenen Schnees. So etwas ist nur in Unterständen in den Bergen zu finden.
Nachdem wir auch diesen Teil der Besichtigung abgeschlossen hatten, war es langsam Zeit wieder abzusteigen. Dieser war dann wirklich in nur 20 Minuten geschafft und Martin fuhr uns noch hinunter nach Furggels zu unserem Auto - nur um danach wieder die "20 Minuten" hinauf zu laufen und am Abend mit anderen dort ein 1. August Höhenfeuer zu entzünden. Der Abschied mit Martin war nur von kurzer Dauer, denn am 2. August sollten wir uns bereits wieder sehen. Wir selber genossen den Abend bei einem dicken Steak vom Grill - dieses hatten wir uns heute wahrlich verdient.














23. Juni 2012: Entdeckung des unbekannten Magletsch mit AFOM Selection
Man sollte meinen, dass es in gewissen Gegenden keine Ecke gibt, welche wir noch nicht kennen. Diesen weit verbreiteten Irrtum müssen wir in persönlichen Gesprächen immer wieder korrigieren. Auch wir kennen nicht "alles" und so war die Ausschreibung der diesjährigen AFOM Selection für uns ein Pflichttermin. Hier bot sich letzten Samstag die Möglichkeit, ein noch unbekanntes Magletsch zu entdecken. Aber der Reihe nach.

Jedes Jahr bietet der Verein AFOM die Möglichkeit, im Rahmen der so genannten AFOM Selection einen Tag lang Sachen zu entdecken, welche bei normalen Führungen sonst nicht zu sehen sind. Treffpunkt für die diesjährige AFOM Selection war 8:30 Uhr in Weite, wo uns die Führer Bruno und Jörg in Empfang nahmen. Bei Kaffee und Gipfeli erläuterte Bruno der kleinen 10-köpfigen Gruppe - auf seine gewohnte humorvolle Weise - das Programm des Tages. Erster Stopp sollten einige der Unterstände und Kavernen sein, welche wir schon kannten. Deshalb hatten wir abgesprochen, dass während die anderen die Kavernen besichtigten, wir zusammen mit Martin bereits zum nächsten Programmpunkt gehen und den ehemaligen Bat KP A6031 Gretschins besichtigen. So sollten wir genug Zeit haben, die Anlage in Ruhe zu fotografieren. Der KP Gretschins ist seit kurzen auch in der Obhut des AFOM und birgt einige Besonderheiten, auf welche wir dann im Rahmen unserer Reportagen hinweisen werden. Der interessanteste Aspekt ist aber, dass die Solitäre für die Aussenverteidigung bei dieser Anlage von innen via Stollen erschlossen sind. Diese Konfiguration ist bei anderen Bat KP Anlagen dieser Art nicht zu finden. Wer aber diese Stollen "durchschreiten" will, sollte eher kleinwüchsig sein und keine Angst vor Spinnen haben. Grosse, fette schwarze Spinnen hängen hier von der Decke und entlockten Martin einen Schrei, der jeder Frau würdig wäre. :) Von wegen, Männer sind das starke Geschlecht - Christiane rettete die Spinne hinaus in die freie Natur und so konnte dann auch der Mann in den Stollen kriechen. Nach dieser humorvollen Einlage war dann die Erkundung des KP auch abgeschlossen und die Gruppe stiess wieder zu uns. Während nun auch diese den KP und seine nähere Umgebung besichtigte, nutzten wir die Zeit für Plaudereien mit den anderen Teilnehmern.
Vom KP Gretschins aus sind wir dann zum Infanteriewerk Brögstein hinüber gegangen. Hier hatte die Gruppe die Möglichkeit das Werk zu besichtigen, sofern es die Teilnehmer nicht schon kannten. Eine gute Gelegenheit für uns, auch den zweiten MG Stand einmal zu besichtigen, welchen wir bis heute noch nicht gesehen hatten. So kletterte Christiane dann die Leitern in den drei Stollen hinauf und brachte zahlreiche neue Fotos mit. Je mehr man sich der Küche näherte, umso mehr stieg einem der feine Duft des für uns gedachten Mittagessens die Nase hinauf. Vorher aber nahmen wir noch zusammen einen Apero im Maschinenraum ein. Der AFOM hatte keine Mühen gescheut und in der Werkküche ein feines Mittagessen gezaubert. Ein saftiger Braten mit Kartoffelstock und zweierlei Gemüse dampfte von unseren Tellern und alle langten herzhaft zu. Wer noch nicht genug hatte, bekam auch noch eine weitere Portion, wobei die Anweisung "bitte nur eine kleine Portion" überhört wurde und der Schreibende nochmals eine ganze Portion bekam. Irgendwie scheint mein Äusseres die Leute dazu zu animieren, die Teller immer ordentlich zu füllen. Jedenfalls war ich danach so voll, dass ich mein Dessert Christiane überliess. An dieser Stelle ein herzliches Danke an die Küchenmannschaft des AFOM für die tolle Verköstigung. Es hat super geschmeckt!
Am Nachmittag sind wir dann in den Magletsch gegangen, welcher derzeit durch Truppen einer Infanterie Rekrutenschule belegt ist. Hier konnten wir nun zum ersten Mal Teile im Untergeschoss der Anlage besichtigen. Dazu gehörte als erstes der so genannte "Katzenbunker" mit den MG 5 und 6. Beim Anblick der steilen Treppe, die hinauf führte, wussten wir sofort, das Mittagessen müssen wir nun schwer abarbeiten. Also hiess es hinauf steigen, eine Leiter erklimmen und so erstmals auch diesen Stand des Magletsch entdecken. Der Stollen und der Stand sind heute Teil des Abluftsystems der Küche des Magletsch. Entsprechend riecht und sieht es aus. Überall an den Wänden klebt ein dünner schwarzer Ölfilm und auch der Geruch der in die Nase stieg, erinnerte uns irgendwie an eine McDonalds Filiale. Dies tat dem Ganzen aber keinen Abbruch. Nachdem der Katzenbunker erkundet und der Abstieg geschafft war, sind wir weiter in Richtung Batterie Ost gegangen. Unterwegs entdeckten wir einen Stand der Innenverteidigung, der aber kein Licht hatte. Um bessere Fotos zu ermöglichen, wollte der Schreibende hinein gehen und mit der Taschenlampe den Raum ausleuchten. Dabei unterlief mir ein dummer Fehler, denn ich vergass zuerst in den Raum zu leuchten, bevor ich ihn betrat. Darum übersah ich auch, dass der Raum "geflutet" war und hatte trotz gutem Schuhwerk plötzlich nasse Füsse. Platsch - im wahrsten Sinne des Wortes. OK - in Zukunft, bevor man im Halbdunkeln in einen Raum geht, diesen ausleuchten. Auch wenn nun die Füsse etwas feucht waren, ging die Erkundung weiter, denn so etwas verzögert uns maximal, hält uns aber nicht auf. Die nun folgenden Stellungen für zwei BK39 und Beobachter, sowie das Munitionsmagazin waren zwar ausgeräumt, trotzdem war es spannend einmal zu sehen, wie viele Meter Stollen für diese Stellungen gebaut wurden. Auch wenn man damals beim Bau immer zum Sparen aufrief, hatte dies offenbar keinerlei Auswirkungen auf das Layout der Festung. Zumindest bei der Batterie Ost hätte man einige 100 Meter Stollen sich ersparen können, wenn man Waffenstellungen und Beobachter zusammengelegt hätte.
Nachdem die Batterie Ost erkundet war, konnten wir als weiteres Highlight das ehemalige Spital im AW Magletsch erkunden. Zwar ist dieser Trakt ausgeräumt, trotzdem blieb er im damaligen Layout erhalten. Wer sich vertieft mit der Materie beschäftigt hat, entdeckt in diesem Trakt viele schöne Details. Eine schöne Besonderheit sind die noch vollkommen erhaltenen Türbeschriftungen. Wo sonst findet man noch eine Tür, wo Zahnarzt oder Op-Raum drauf steht. Als letzten Trakt haben wir dann noch den MG Stand 4 und auf dem Weg dorthin die Totenkammer des Werks besichtigt. Dieser Raum bringt einem immer wieder ins Bewusstsein, wofür man damals diese Anlagen erbaut hat und dass auch der Tod ein Teil der Vorbereitungen war.
Letzter Programmpunkt für uns war dann noch der MG Stand 1 im oberen Stock des Magletsch. Im vergangenen Jahr haben die Mitglieder das AFOM den ehemaligen MG Stand 1 wieder hergerichtet. Einstmals war dieser Stand eine feuchte, verrostete Höhle. Neu erstrahlt er wieder ein altem Glanz und ist bis auf zahlreiche kleine Details wieder hergerichtet. Somit haben wir dann an diesem Tag alle bisher noch nicht gesehenen Stände das Magletsch besichtigt.

Wir bedanken uns an dieser Stelle recht herzlich beim Team des AFOM, welches uns durch diesen Tage geführt und begleitet hat. Es wurde ein spannendes Programm geboten und hat auch den eingefleischten Bunkerfans viele neue Einblicke geboten. Wir kamen an diesem Tag voll auf unsere Kosten und können in den nächsten Wochen unsere Dokumentationen entsprechend ergänzen. Wir freuen uns heute schon auf das Programm der nächsten AFOM Selection. Wer selber noch nie an einem solchen Anlass teilgenommen hat, dem können wir diese nur wärmstens empfehlen.











05. Mai 2012: Ein Samstag im Gonzen
Für letzten Samstag hatten wir eine kleinere Tour geplant, die zum Glück zumindest grossteils nicht vom Wetter abhängig war. Darum spielte es auch keine Rolle, dass es regnete, als wir uns in Richtung Gonzen aufmachten.

Erster Stopp war das Infanteriewerk Richtbühl in Trübbach. Diese Anlage kannten wir bisher nur von aussen und hatten nun die Gelegenheit, auch einmal einen Blick ins Innere der Anlage zu werfen, welche seit drei Jahren der Ortsgemeinde gehört. Vor der Türe erwarteten uns Hans mit dem Schlüssel und Walter, welcher die Begehung für uns organisiert hatte. Da das Werk ohne Strom ist, rüsteten wir uns mit unseren Taschenlampen aus, welche auch als zusätzliche Foto-Beleuchtung herhalten mussten. Schon nach den ersten Schritten im Werk konnte man Interessantes entdecken. Offenbar wurde das Werk, welches übrigens über zwei Kampfblöcke verfügt, Anfang der 1960er Jahre ergänzt und erweitert. Dazu gehörten im Eingangsbereich eine neue zusätzliche Schleuse mit A-Filtern und eine zusätzliche Kaverne für die Munition. Auch im Bereich der Zugänge zu den Kampfblöcken wurden offenbar zeitgleich mit denen beim Eingang zusätzliche neue Betontüren eingebaut. Zwar war das ganze Werk leergeräumt, trotzdem kann man sich noch gut vorstellen, wo sich was befunden hat. Einzig die Ziegelsteine und den Sand in der Totenkammer hat man liegen gelassen. Nach eineinhalb Stunden haben wir dann den Rundgang beendet und auch dieses Werk gesehen. Danke an dieser Stelle an Hans, dass er sich Zeit genommen und uns die Türen geöffnet hat.

Zusammen mit Walter sind wir dann zum Bergwerk Gonzen rüber gefahren. Hier haben wir uns in das schöne Bergwerkrestaurant gesetzt und auf unseren Führer für den nächsten Programmpunkt gewartet, da wir etwas früher dran waren als gedacht. Wir wollten nochmals zum Bataillons-Kommandoposten hinauf fahren, welcher im ehemaligen Naus-Stollen des Bergwerkes eingebaut ist. Zwar sind wir 2009 schon einmal dort gewesen, jedoch wollten wir mit der jetzigen Kamera nochmals einige Fotos nachholen. Der KP ist die einzige Festungsanlage, welche sich im ehemaligen Bergwerk befindet. Er wurde 1962 errichtet, zu einer Zeit, als das Bergwerk seinen Betrieb bereits eingestellt hatte.
Nachdem unser Führer Ruedi eingetroffen war, haben wir mit ihm zusammen zuerst das Drahtmodell der Bergwerkstollen im Museum bewundert. Dazu konnte er viele Erläuterungen machen, welche auch im Zusammenhang mit den Festungen sehr interessant waren. Ebenso wusste er einige interessante Fakten zum Einsatz der Mineure im Festungsbau zu berichten. Zusammen sind wir dann nach Naus hinauf gefahren. Hier bewährte es sich dann, dass wir einen Geländewagen haben und auch geübt sind, damit zu fahren. Oben angekommen haben wir zuerst die Aussenverteidigungs-Anlagen gesucht. Leider haben wir von den ursprünglich (angeblich) drei Solitär nur einen gefunden. Da diese Solitär niemals eine eigene F-Nummer erhalten haben, erscheinen sie auch nie in Karten und Verzeichnissen. Darum wird es schwer werden, heraus zu finden, ob, und wenn ja, wo diese noch stehen. Natürlich sind wir dann auch nochmals in den Naus-Stollen hinein und haben den Kommandoposten nochmals abgelichtet. Dieser wird heute vom Bergwerk als Unterkunft bei den 2-Tagestouren benutzt.
Als wir in Naus fertig waren, ging es dann wieder hinunter. Dabei haben wir noch einen Stopp bei der Telefonzentrale Egg gemacht, bei welcher wir nochmals genauer die Umgebung absuchen wollten. Bei unseren Erkundungen im Festungsgebiet haben wir bei allen Telefonzentralen festgestellt, dass links und rechts vom Eingang jeweils eine Unterstandskaverne (auch diese ohne eigene A- oder F-Nummer) errichtet war, welche nirgends verzeichnet sind. Darum wollten wir schauen, ob wir bei Egg auch zwei davon finden. Und siehe da, auch hier sind zwei Unterstandskavernen - wenn auch etwas schwer erreichbar - zu finden. Daneben sind auch zwei gemauerte Waffenstellungen erstellt worden. Gerade als wir mit den Fotos fertig waren, kam noch ein älterer Bauer vorbei. Nach kurzem Gespräch hatten wir herausgefunden, dass diese Anlagen-Zusätze (gemäss Erinnerungen des Bauers) Anfang der 1950er Jahre durch die Truppe erbaut worden sind.

Zusammen sind wir dann alle wieder ins Bergwerkrestaurant gefahren und haben noch zusammen Mittag gegessen. Dabei haben wir viel über das Bergwerk, den Verein, welcher das Bergwerkmuseum betreibt, und auch über das Angebot erfahren. Bevor wir dann nach Hause gefahren sind, konnten wir noch einen Blick durch den Bahnhof im Bergwerk werfen. Zwar haben wir früher schon einmal eine Tour durch das Bergwerk gemacht, jedoch ist es an der Zeit, dass wir wieder einmal an einer solchen teilnehmen. Stollen im Berg sind etwas Faszinierendes, auch wenn sie nicht zu Kampfständen führen.

Wir danken an dieser Stelle unserem Bergwerkführer Ruedi für die spannende Tour und dass er sich Zeit genommen hat. Das zweite grosse Danke geht an Walter, welcher wieder ein spannendes Programm für uns organisiert hat.










31. März 2012: "Wanderwegkontrolle" am Ellhorn
Am Samstag war es endlich soweit, dass wir eine Tour machen konnten, die bei uns schon lange auf dem Programm stand. Dies, obwohl wir am Morgen noch mit einem ganz anderen Tagesplan gestartet sind.

So verlief der Morgen noch wie geplant und wir sind zuerst zur St. Luzisteig gefahren. In der Steigwiesen zwischen Fläscher Tannwald und der Passhöhe ist noch die letzte noch fast komplett erhaltene Sperrstelle aus dem Kalten Krieg zu finden. Überall sonst im ehemaligen Festungsraum sind die Kubu und Unterstände schon dem Erdboden gleich gemacht und verschwunden. Nur hier oben hat man sich damit begnügt, die Deckel und Türen zuzuschweissen. Also sind wir bei einer gemütlichen Wanderung durch die Steigwiesen gestreift und haben die Anlagen dokumentiert. Gerade als wir fast fertig und auf dem Weg zum Auto waren klingelte unser Telefon. Unser lokaler Bunkerfreund Martin rief an und erkundigte sich, wo wir gerade am rumstreifen sind.
Er wollte am Nachmittag zum Ellhorn hinauf und den Wanderweg kontrollieren - eine Tätigkeit, die er in offizieller Mission in der Freizeit macht. Wir hatten ihm schon länger erzählt, wir würden gerne einmal zum Ellhorn hinauf und die Anlagen dort oben aufsuchen. So dachte er, dass wir eventuell ihn gerne begleiten würden. Auf dieses Angebot sind wir natürlich sehr gerne eingegangen. So haben wir dann die Pläne kurzfristig geändert und uns mit Martin getroffen. Unser Auto haben wir dann in Fläsch stehen gelassen, so dass wir am Ende der Wanderung nicht wieder alles zurück laufen mussten.
Bevor wir zusammen zum Ellhorn aufgebrochen sind, gab es noch einen Zwischenstopp im Anssteinwald. Martin wollte uns noch einen Unterstand zeigen, der landläufig für abgebrochen gehalten wird. Dies ist aber ein Irrtum, der auf falschen Koordinaten beruht. Martin hatte die Gegend früher einmal genauer abgesucht und ist dabei auf den Unterstand gestossen, aber bei stark abweichenden Koordinaten. So haben wir dann A6261 auch noch fotografiert. Und da wir grad hier oben waren, haben wir die restlichen Bunker gleich auch nochmals abfotografiert. Nach einer Mittagsrast war es dann Zeit, zum Ellhorn aufzubrechen.
Nachdem das Auto abgestellt war, hiess es mit der Wanderung und "Wanderwegkontrolle" loszulegen. Der erste Teil des Weges ist unspektakulär. Erst weiter oben sollten die ersten Unterstände liegen. Diese wurden alle ab 1951 errichtet, als das Ellhorn von Liechtenstein zur Schweiz wechselte. Grundbesitzer blieben aber trotzdem die Balzner. Dieser Umstand hat sich gleich bemerkbar gemacht. Denn von den hier oben ehemals 8 erstellten Unterständen und 6 Waffenstellungen fanden wir nur zugedeckte oder zugemauerte Überreste. Offenbar verlangten die Balzner, dass die nun nicht mehr benötigten Anlagen von ihren Grundstücken entfernt wurden. Anders ist der Aufwand nicht zu erklären, mit welchem hier oben die Unterstände praktisch bis zur Unkenntlichkeit zurückgebaut wurden. Nur da und dort haben wir mit unseren geübten Augen ein paar Überreste gefunden.
Auch wenn wir in Sachen Bunkern bisher eher enttäuscht wurden, so war dann die Aussicht dort oben doch überwältigend. Wenn man hier steht, wird einem sofort klar, warum sich die Armee - zuerst noch erfolglos - darum bemüht hat, diesen Felsen zu bekommen. Von hier hat man eine prächtige Aussicht über die Schlüsselfront am Schollberg und der Sarganserau und kann problemlos das eigene Feuer oder den Angriff leiten. Alleine diese Aussicht hat die Mühen hier hinauf zu steigen, lohnenswert gemacht. So sind wir dann den Gratweg bis zum Elltal weiter gewandert und haben immer wieder eine Rast zum Geniessen der Aussicht eingelegt. Beim Elltal konnten wir doch noch einen Unterstand finden, welcher nicht zugemauert war und heute als privater Unterstand eines Grillplatzes dient.
Vom Elltal führt dann ein steiler Weg am Tschingel vorbei durch das Mozentobel zum Rhein hinunter. Von hier sieht man auf die Scharten des Artilleriewerks Tschingel hinunter und kann unterwegs dann sogar geradewegs auf die Scharten schauen. Dies ergab dann natürlich einige besonders gute Aufnahmen, zumal das Licht am späten Nachmittag perfekt drauf schien. Dass der Weg nicht ganz ungefährlich ist, wurde uns dann unterwegs schnell bewusst. Frische Geröllbrocken lagen auf und neben dem Weg und zeigten uns, dass sich hier öfters einmal Steine aus dem Fels lösen und ins Tal hinunter donnern. So waren wir dann doch ganz froh, heil unten angekommen zu sein. Nachdem wir Martin zurück zu seinem Auto gebracht hatten, ging auch dieser Ausflug zu Ende.

Auch wenn es eine anstrengende "Wanderwegkontrolle" war und nur wenige Anlagen wirklich noch existent waren, so hat die einmalige Aussicht das Ganze mehr als wettgemacht. Wir danken an dieser Stelle Martin ganz herzlich, dass er uns auf seinen Kontrollgang mitgenommen hat und wir so einen kompetenten und unterhaltsamen Führer bei uns hatten. Gerne kommen wir wieder einmal mit.











24. März 2012: Erkundungen in der Chlus
Die Chlus bei Felsenbach war schon seit je her ein Engnis, welches umkämpft und befestigt war. Davon zeugen Befestigungsanlagen unterschiedlicher Epochen noch heute. So hatten zum Beispiel die Österreicher 1621 sich hier verschanzt und während der napoleonischen Kriege fand 1799 ein Gefecht hier statt. Bei der Konzeption der Festung Sargans rückte die Chlus wieder in den Mittelpunkt, und ab 1939 begann man das Engnis wieder zu befestigen. Grund genug für uns, nach 2008 hier nochmals vorbei zu schauen und einiges nachzuholen oder nochmals zu untersuchen.

So sind wir also am Samstag nach Felsenbach-Chlus gefahren und haben bei dieser Gelegenheit Christianes neuen fahrbaren Untersatz eingeweiht. Erster Stop war am östlichen Ende der Chlus. Hier hat es - gut versteckt - einen alten MG Stand. Da von unten nicht zu sehen, muss man schon die genauen Koordinaten haben, um ihn beim ersten Versuch zu finden. Der Aufstieg entpuppte sich als nicht ganz trivial, aber zum Glück hat man ja inzwischen etwas Übung beim èberwinden von kupiertem Gelände. Oben angekommen gab uns der Stand etwas Rätsel auf. Gemäss Relief muss die Betonhülle 1939 durch ein HD Bau-Det errichtet worden sein. Allerdings bezweifeln wir stark, dass dieser Bunker wirklich je fertiggestellt war. Im Bereich der beiden Scharten sind zwei saubere rechteckig Öffnungen und rund herum schaut das Armierungseisen heraus. Daher kann es nur einen Schluss geben: Die für die Bunker vorgesehenen Scharten (evtl. Töpfe) wurden nie geliefert und nie eingebaut. Aus diesem Grund sehen die Schartenöffnungen bei diesem Bunker auch so unfertig aus. Es erstaunt dann trotzdem, dass dieser unfertige Klotz nach dem Krieg nie fertiggestellt wurde und trotzdem die A-Nummer 6300 erhielt. Nachdem der Bunker abgelichtet war, haben wir auch noch die Unterstände in der nähreren Umgebung aufgesucht und auch davon noch ein paar Bilder gemacht.
Als nächstes wollten wir die Burgruine Fracstein und die daneben liegende MG Kaverne A6308 erkunden. Wann die Burg erbaut wurde lässt sich nicht genau belegen, jedoch vermutet man, dass dies irgendwann im 13. oder 14. Jahrhundert der Fall war. Belegen lässt sich dafür, dass die MG Kaverne ab November 1939 gebaut wurde und ein Jahr später abgenommen wurde. Leider liegt der Zugang zum Weg in einer Mulde, welcher noch mit Schnee bedeckt ist. Für Leichtgewicht Christiane war es ein einfaches darüber zu kommen. Schwergewicht Zarko versank aber im Schnee, so dass wir beschlossen, uns hier zu trennen. Während Christiane die Anlagen bei Fracstein besuchte, erkundete Zarko die nächsten Lokalitäten. Nach einer Stunde trafen wir uns wieder. Bevor es Zeit war für den wohlverdienten Imbiss, haben wir mit unserem Teleobjektiv und Stativ von unten nochmals die Scharten der Infanteriewerks A6309 Felesenbach fotografiert. Schon 2008 war der Weg hinauf nicht mehr vorhanden und der Aufstieg äusserst gefährlich. 2012 ist der Weg noch mehr verschüttet und die Spuren von kürzlich erst nieder gegangenen Steinschlägen haben dann die Vernunft siegen lassen. Wir beschlossen, hier nicht nochmals hinauf zu steigen. Fotos mit dem Teleobjektiv tun es hier auch und ihr werdet es uns sicher verzeihen, wenn nicht von jeder Scharte eine Nahaufnahme vorhanden ist. Nachdem die Fotos im Kasten waren und die Überreste des Sprengobjekts in der Strasse auch dokumentiert waren, haben wir an der Sonne unseren Imbiss genossen.
Nach dem Mittag sind wir zu den Brücken über die Landquart gefahren. Hier sind bei der Brücke der Schnellstrasse noch Spuren des ehemaligen Sprengobjektes zu sehen, die aufgenommen werden wollten. Bei der Strassenbrücke war deren Sanierung so gründlich, dass keine Spuren mehr zu finden waren. Macht ja nix - es gab auch so noch ein paar Sachen zum erkunden. Am westlichen Ende der Chlus wurde 1962 der Bat KP für das hier eingesetzte Füs Bat 147 errichtet. Die Anlage liegt erhöht an eine Felskante angelehnt. Von aussen zu sehen ist heute noch der schön bemalte Tarnvorbau. Allerdings braucht man dafür ein gutes Auge, um ihn schnell zu erkennen. Die Farbgebung wurde perfekt an den Buchenwald angepasst und sorgt auch heute noch dafür, dass die Anlage grossteils unbekannt ist. Auch hier bestand die Herausforderung wieder darin, im total mit Laub bedeckten Hang einen Weg hinauf zu finden. Irgendwie sind wir dann oben angekommen und konnten unsere Fotos machen. Links und rechts vom Eingang sind noch je eine kleine Unterstandskaverne zu finden, die bestenfalls den Wachmannschaften Schutz vor Wind und Wetter boten. Die Truppe selber fand Platz in einem U22 Unterstand, welcher sich direkt an der Strasse befand. Auch diesen haben wir am Ende noch besucht. Zwar gibt es in der Umgebung noch ein paar kleine Sachen zu erkunden, jedoch war das Licht hier nicht mehr optimal. So sind wir hinauf zur Lutzisteig gefahren, wo der Schnee sich nun endlich verzogen hat. Darum konnten wir hier nun einige Unterstände aufsuchen, welche bisher nicht zugänglich waren. Wenn Unterstände von der Armee aufgegeben und verschlossen werden, so dauert es in der Regel nicht lange, bis die Dorfjugend dies entdeckt und die Anlage anektiert. So auch der Unterstand A6512. Hier hat die Jugend die Kaverne zum Partyraum umgebaut - inklusive Bänke, Tische und Bar. Diese "private Umnutzung und Umzonung" in einen Unterhaltungsbetrieb haben wir im Laufe unserer Reisen schon oft gefunden. Dieser Party-Unterstand reiht sich in eine ganze Kette von solchen "Etablissements" ein, die in der ganzen Schweiz zu finden sind. Zumindest wird sich hier kein Nachbar wegen Ruhestörung beklagen. :-) Nachdem dann noch eine weitere Kaverne und ein paar U12 Unterstände abgelichtet waren, hat sich die Sonne endgültig verabschiedet. So beendeten wir dann hier unseren Ausflug. Sobald der Schnee sich weiter zurück zieht, werden auch wir weiter hinauf können. Es gibt für uns in höheren Lagen noch einiges nachzuholen, um die Dokumentationen zu vervollständigen. Auch davon berichten wir dann hier an dieser Stelle.













17. März 2012: Augen auf in Sargans lohnt sich
Nachdem die Arbeiten an der Sargans-Dokumentation vorwärts schreiten (wie ihr selber auf unserer Page mitverfolgen könnt) sind wir wieder hinauf gefahren, um einige Lücken zu erkunden und bereits erkundete Objekte nochmals näher zu untersuchen. Das schöne Wetter hat uns förmlich hinaus gezogen und nachdem unsere Kamera vom Service auch pünktlich zum Wochenende hin zurück gekommen ist, konnten wir den Tag voll ausnützen.

Erstes Ziel war die Gegend um Lafadarsch beim Alvier. Dazu wurden wir von Walter begleitet, der diese Gegend seit seiner Jugendzeit (fast) wie seine Westentasche kennt. Zuerst galt es eine Lücke zu schliessen. Obwohl wir nun schon einige Zeit in der Gegend unterwegs sind, haben wir es doch tatsächlich geschafft, einen Bunker die ganze Zeit zu "vergessen". Nur durch Zufall haben wir beim Erstellen der Dokumentation gemerkt, dass in der Reihenfolge der A-Nummern irgendwie eine fehlt - und zwar der Lmg Bunker A6067 Flied. Das war im Dezember der Fall, kurz bevor der Schnefall einsetzte. Sofort sind wir damals hinauf gefahren und konnten trotz intensiver Suche den Bunker nicht finden. Grund waren etwas ungenaue Koordinaten und "Waldblindheit". Denn obwohl keine Blätter mehr auf den Bäumen waren, konnten wir den Bunker im etwas kupierten Gelände einfach nicht sehen. Inzwischen haben wir im Geoportal die genauen Koordinaten gefunden und zusammen mit Walter ist es uns gestern gelungen, den Bunker endlich zu finden. Etwas geärgert haben wir uns schon dabei, denn wir waren das letzte mal nur 50 Meter entfernt und haben ihn einfach nicht erkennen können. Nun ja, jetzt haben wir ihn gefunden und er ist im Kasten.
Wenn wir schon hier oben waren, wollten wir einige Anlagen nochmals fotografieren, die wir vor 3 Jahren mit unserer alten Kamera besucht hatten. Die alten Fotos von damals waren "na ja" und so war es kein Schaden, hier die Bunker nochmals abzulichten. Wenn man schon bei Lafadarsch ist, sollte man die Gelegenheit nutzen und im Restaurent dort etwas trinken. Bei dieser Gelegenheit kann man dann die Alpakas bestaunen, die dort auf der Wiese grasen. Diese Tiere gehören zur Gattung der Kamele und sind vorwiegend in Südamerika zu Hause. Sie haben unseren einheimischen Vierbeinern einiges in Sachen Sauberkeit voraus. Während Kühe, Ziegen und Schafe ihr Geschäft jeweils grad dort erledigen, wo sie stehen, haben Alpaks auf ihrer Wiese eine "Toilette" definiert und nur dort wird das Geschäft erledigt. Man kann also beim Bunkern auch etwas über südamerikanische Tiere lernen. Nachdem wir uns hier dann von Walter verabschiedet haben, sind wir wieder hinunter in Richtung Tal gefahren.
Als nächstes haben wir uns den grossen Panzergraben von Trübbach genauer angesehen. Viele von euch werden nun sagen, in Trübbach gibt es keinen grossen Panzergraben. Falsch! Es gibt ihn - nur ist er nicht ganz so offensichtlich. Im Bereich zwischen Brücke Kantonsstrasse - Fussballplatz - Rhein ist der dortige Bach - mit Namen Trübbach - kanalisiert. Dieser Kanal ist bei genauer Betrachtung als Panzergraben ausgelegt. Eine Tatsache, die sicher vielen entgangen ist, die schon in dieser Gegend unterwegs waren. Im Bereich des Rheins führen vier Brücken über den Graben, sowie der Saar-Kanal unter dem Graben durch. Unter dem Graben befindet sich auch das Stauwehr-Anlage für die Flutung der Sarganserau. Zwar waren wir hier schon einmal unterwegs, jedoch war damals das Wetter nicht so toll und es galt, besseres Fotomaterial zu holen. Interessantes zu entdecken gibt es bei der Autobahnbrücke und der Brücke des Fahrwegs Rheindamm. Hier wird derzeit die Autobahn saniert und die Sprengobjekte zurück gebaut. Zu unserem Erstaunen und besonderen Freude liegen gerade die Öffnungen der alten Bohrladungen offen und so konnten wir auch davon einige Fotos machen. Es lohnt sich also, dort vorbei zu gehen, wo man schon mal war und vermeintlich alles gesehen zu haben glaubt. Und wenn wir schon einmal hier sind, ist Christiane nochmals durch das Stauwehr gelaufen und hat aus dem Inneren neue, bessere Fotos mitgebracht. Nächstes Ziel war der Abschluss der Tankmauer T3317 im Bereich des Rheins. Hier hat man beim Bau der A13 in den frühen 1980er Jahren das alte Höcker-GPH durch eine neue Tankmauer ersetzt und teilweise die alten Höcker integriert. Diese Anordnung ist äusserst selten und davon wollten wir einmal genauere Fotos machen. Zu unserer Überraschung haben wir in der Tankmauer einen grossen Durchlass gefunden. Seine Funktion können wir uns nicht 100%ig erklären, vermuten aber, dass er auf Grund der uns vorliegenden Pläne zum Überflutungssystem der Sarganserau gehört. Auch hier hat es sich wieder gelohnt, die Augen auf zu machen.
Als letztes sind wir nochmals nach Heiligkreuz gefahren. Hier sind noch vier Sanitäts-Unterstände, die wir zwar schon einmal fotografiert haben, jedoch bei suboptimalen Lichtverhältnissen. Diese waren am Samstag nun aber perfekt, so dass auch diese dann optimal fotografiert werden konnten. Bei den Unterständen führt eine steile und schlechte Wald-Strasse den Berg hinauf. 600 Meter weiter oben liegt versteckt ein Unterstand, den wir bisher wegen des steilen Aufstiegs nicht besucht haben. Anwesende Bauern erklärten uns, dass ihnen nicht bekannt sei, dass dort oben etwas sei und ausserdem leben sie seit der Kindheit hier und wüssten es, wenn dort oben etwas wäre. Auf unsere Frage hin, ob wir hinauffahren dürfen, um uns zu überzeugen, meinten sie, dass wir ruhig rauf fahren sollten, sofern wir es schaffen. Nun ja, wozu haben wir einen geländetauglichen Wagen gekauft, wenn nicht genau für solche Herausforderungen. Also, einsteigen und ausprobieren. Irgendwie kommt man ja immer wieder runter. Und siehe da, mühelos kletterte unsere "Kuh" die Geröllstrasse hinauf. Am Punkt angekommen, piepste zwar unser GPS, aber nicht zu sehen. Auch hier hiess es wieder Augen auf. 50 Meter weiter oben im steilen und kupierten Hang, versteckt hinter einem Felsvorsprung, entdeckten wie dieses Mal die Tarnung des Eingangs sofort. Nun schaltete Christiane in den Allradantrieb und kletterte hinauf. Der letzte Unterstand, der uns in diesem Gebiet gefehlt hat, war damit auch im Kasten. Den überaus freundlichen Bauern sei an dieser Stelle gesagt, da hat es doch einen Unterstand.

Und so war es 17 Uhr geworden und wir sind wieder problemlos im Tal angekommen. Zeit, Schluss zu machen und sich auf den Heimweg zu begeben. Solche Touren machen hungrig und so beschlossen wir, den Tag in unserem Lieblingsrestaurant (Restaurant Löwen in Tübach) abzuschliessen. Und hier war uns das Glück noch einmal hold. Auf unsere telefonische Anfrage hin, ob man einen Tisch für uns frei habe, musste uns Gabi sagen, dass man im Prinzip ausgebucht habe. Dieses Wochenende ist wieder die bei den Gästen überaus populäre Gourmet-Kalbsmetzgete. Aber sie macht uns eine Ecke frei, sofern wir bis 20 Uhr fertig sind. Es lohnt sich also doch, wenn an zu dem Stammgästen gehört und so konnten wir den Abend ausklingen lassen bei den köstlichen Gerichten die Jaques Neher wieder auf den Teller zauberte. Wenn auch ihr einmal in der Bodenseegegend seit, so können wir euch einen Besuch im Löwen Tübach nur empfehlen! Seit kurzem wird das Lokal auch im Gault Millau Führer Schweiz mit 14 Punkten aufgeführt.









25. Februar 2012: Erkundungen im Seeztal
Den gestrigen Samstag hatten wir für eine Tour durch das Seeztal reserviert. Einerseits wollten wir wieder einmal bei den Anlagen in den Rebbergen von Heiligkreuz eine Runde machen und im zweiten Teil wollten wir die Sperrstelle aus dem Kalten Krieg beim Tiergarten - Ragnatsch zum ersten Mal erkunden.

Endlich waren die Temperaturen wieder im erträglichen Bereich und am Morgen drückte auch die Sonne noch etwas durch die Wolken durch. Genau die richtigen Bedingungen für die Bunker in den Rebbergen von Heiligkreuz. Hier hat sich nicht viel verändert seit wird vor 3.5 Jahren das erste Mal hier waren. Einige Anlagen sind in privaten Besitz übergegangen und diese haben die Umgebung etwas aufgeräumt und einige Bäume gefällt. Dies gab uns die Gelegenheit, einige neue Fotos dieser Anlagen zu schiessen. Es gab aber auch Enttäuschungen zu sehen. Der MG Stand A6377 wurde fast komplett zugeschüttet. Im Rahmen einer Bachsanierung hat man offenbar beschlossen, die überschüssige Erde und das Geröll dafür zu nutzen, einen "hässlichen Betonklotz" aus dem Sichtfeld zu verbannen. Zumindest der Eingangsbereich war nicht zugedeckt und der Deckel offen. Also nutzen wir die Gelegenheit, rein zu schauen. Durch das enge Loch, welches man Eingang bezeichnet, war es nur Christiane möglich, rein zu kriechen. Jeder über 170 cm hat keine Chance, hier hinein zu kommen. Der Stand war innen sehr eng und so fragt man sich unweigerlich, wie hier 5 Mann hätten Platz finden - und kämpfen! - sollen. Highlight hier drin war aber eine Karrikatur an der Wand des Bunkers. Offenbar muss einer der hier drin sitzenden Soldaten ein begnadeter Zeichner gewesen sein. Solche kleinen Kunstwerke sind es, die diese "hässlichen Betonklötze" wertvoll machen. Erzählen sie uns doch eine Geschichte von einer heute gerne verdrängten Zeit und den Menschen, die sie durchlebt haben. Die Bunker abzubauen, heisst immer auch einen Teil Geschichte "abzubauen". Ein Trend, der heute leider modern zu sein scheint. Sich an etwas zu erinnern heisst nicht, es zu verherrlichen.
Nachdem wir in Heiligkreuz fertig waren, sind wir zum Tiergarten rüber gefahren. Hier hat man im Kalten Krieg eine weitere Sperrstelle im Seeztal errichtet. Im Zweiten Weltkrieg war der Tiergarten der rückwärtige Raum der Festung Sargans und man hat hier einige Logistik-Anlagen in den Berg gegraben. Die meisten davon sind heute verkauft und im ehemaligen Tanklager betreibt die Landwirtschaftliche Genossenschaft jetzt ein Käselager. Wo es früher nach Diesel und Benzin roch, riecht es heute nach reifendem Alpkäse. Je nach Geschmack mag das Eine oder das Andere wohlriechender sein. Wir haben zwar gerne räsen Alpkäse, aber auf Dauer müsste dieser Duft dann doch nicht sein. Auf der Linie Matrings - Tiergarten - Ragnatsch kann man zahlreiche Unterstandskavernen finden. Diese Kavernen wurden im Zeitraum von 1950 bis 1960 ausgebrochen. Um sie zu finden, bedingt es aber sehr gute Augen und mindestens eine grobe Ahnung, wo sie sind. Obwohl leergeräumt und zum grössten Teil verkauft und zugeschweisst, sind diese Anlagen von aussen noch getarnt und darum nicht einfach zu finden. Trotzdem haben wir uns auf die Suche gemacht und sind dann auch fündig geworden. Der Schnee war doch noch grossteils vorhanden und so war es teilweise eine rutschige Angelegenheit, um sie zu erreichen. Die meisten Kubu, die in diesem Raum gleichzeitig mit dem Bau der Kavernen vergraben wurden sind heute zu 90% verschwunden. Nur noch vereinzelt findet man einen Deckel. Dafür stehen noch alle U12 Unterstände und dank der noch heute erhaltenen Tarnbemalung geben sie ideale Fotomotive ab. Leider sind dann am Nachmittag die Wolken aufgezogen und es begann zu regnen, so dass wir diesen Bereich nicht ganz abschliessen konnten. Also werden wir im Frühling nochmals hier vorbei gehen und die letzten 2 oder 3 Anlagen aufsuchen, um das Kapitel abzuschliessen.

Die Festung Sargans hat auch heute noch für das "interessierte Publikum" viel Unbekanntes und Überraschungen zu bieten. Neben den grossen Artilleriewerken und massiven Betonklötzen in der Sarganserau hat es zahlreiche kleinere Anlagen, die bis heute keine Beachtung erhalten haben. Auch sie gehören zur ehemaligen Festung und sind es wert, dass man sie in die Betrachtung und Dokumentation mit aufnimmt. Die Fotos dieser Anlage werdet ihr dann in den kommenden Dokumentationen zu sehen bekommen.












12. Februar 2012: "Sibirische" Erkundungstour in Sargans
Was ein echter Igelsucher ist, der lässt sich durch Schnee und eine sibirische Brise nicht abschrecken. Denn der Volksmund sagt es schon, dass es kein schlechtes Wetter gibt, nur schlechte Bekleidung. Also haben wir am Sonntag die Thermosflasche mit heissem Tee gefüllt, die warme Winterbekleidung angezogen und sind mit unserer "Kuh" nach Sargans gefahren.

Erster Stopp war der MG Bunker A6072 Bergweite in der Gemeinde Trübbach. Der Bunker gehört dem Verein AFOM (Artilleriefort Magletsch) und wurde im letzten Jahr durch die Vereinsmitglieder wieder hergerichtet. Patrik vom AFOM hatte uns nun eingeladen, doch einen Blick in die nun wieder vorzeigbare Anlage zu werfen. Dieser Einladung sind wir natürlich gerne nachgekommen.
Von aussen fällt der Bunker dadurch auf, dass er der einzige Bunker der Festung Sargans ist, der eine noch komplett intakte Tarnbemalung aufweist. Dies kommt nicht etwas daher, dass man 1941 - bei seiner Erbauung - besonders viel Farbe drauf geklatscht hat, sondern von der Tatsache, dass er 1986 durch das FWK komplett neu bemalt wurde. Angeblich sollte er als Prototyp für ein neues, schweizweites Tarnkonzept dienen. Weit scheint man allerdings mit dem Konzept nicht gekommen zu sein, denn ausser diesem Bunker sind uns nicht viele Anlagen bekannt, die in den 80ern auch neu bemalt wurden.
Als wir vor einigen Jahren das erste Mal den Bunker aufgesucht hatten, war er sehr verwachsen und der Zugang mit Erde und Geröll fast nicht erreichbar. Heute ist der ganze Dreck weggeschafft und der Bunker wunderbar zugänglich. Auf raffinierte Art und Weise hat das Team auch das Problem der Stromversorgung gelöst. In einer Nische, in der früher ein Aussenverteidigungs-Solitär mit dem Zugang verbunden war, hat man eine eigene Aggregatsnische erstellt. Dass die Schweizer Armee früher sehr auf Qualität geachtet hat - etwas was man heute je länger je mehr vermisst - erkannte man daran, dass der alte Armeegenerator trotz der sibirischen Kälte sofort ansprang und somit Licht ins Dunkle des Bunkers brachte. Sofort erkannt man, dass hier fleissig gearbeitet wurde im letzten Jahr. Als wir 2010 schon einmal hier rein geschaut haben, war alles noch verstellt und verschmutzt. Nun war alles gereinigt, aufgeräumt und wieder eingerichtet. Das gleiche Bild präsentierte sich auch im Kampfraum, wo die Stände wieder eingerichtet waren und die Lafetten auch wieder dort waren, wo sie gefehlt hatten. Einzig die Bewaffnung fehlte. Dies ist aber auch kein Wunder, wird es doch immer schwieriger, die MG dafür zu beschaffen. Das Team hat hier eine grosse Arbeit geleistet und wir hoffen, dass die zukünftigen Besucher des Bunkers, diese auch werden zu würdigen wissen. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei unserem Führer Patrik, dass er uns zur Besichtigung eingeladen hat und gratulieren ihm und seinen Kollegen zur geleisteten Arbeit!

Nachdem wir in Bergweite fertig waren, sind wir zum Waffenplatz Luzisteig rüber gefahren. Zurzeit arbeiten wir am Kapitel über die Sperrstelle Ansstein und dafür fehlt uns noch das eine oder andere Foto, welches wir noch machen wollten. Zwar war der Schnee nicht mehr so hoch wie die letzten Wochen, trotzdem präsentierte sich das Gelände noch in dichtem Weiss. Dies hat uns aber nicht abgehalten, eine Schneewanderung zu machen. Man muss aber schon irgendwie eine "Schraube locker haben", wenn man bei diesen Temperaturen freiwillig raus geht und sich einige Betondeckel und -türen anschauen will. Dieser Gedanke schoss uns bei der Schneewanderung immer wieder durch den Kopf, wenn die Bise gerade mal wieder die freien Körperteile am Kopf traf. Trotzdem haben wir nicht aufgegeben und wurden mit einigen schönen Winteraufnahmen belohnt. Zum Glück hatten wir warmen Tee dabei, der uns zumindest innerlich etwas aufwärmen konnte. Von Schneewanderungen hatten wir für den Moment genug und sind dann zur Rheinbrücke bei Fläsch gefahren. Hier warteten noch einige Kubu beim ehemaligen Sprengobjekt auf uns. Wichtiges Hilfsmittel im Winter ist ein kleiner Besen, mit dem man den Schnee von den Deckeln abwischen kann, damit man ein besseres Foto hin kriegt. Auch hier mussten wir für einen Moment wieder über uns selber lachen. Denn welcher "normale Mensch" putzt schon einen Kubu-Deckel mit einem Besen? Die Antwort: Keiner - nur so Spinner wie wir. Aber lieber ein Spinner der Betondeckel im Winter vom Schnee abwedelt, als … na das behalten wir jetzt für uns, um niemanden auf die Füsse zu treten. :)
Nächster Stopp war Bad Ragaz. Diese praktisch unbekannte Sperrstelle aus der Zeit des Kalten Krieges hat noch viele versteckte Überraschungen bereit. Sie besteht im Wesentlichen aus einem Dutzend Sprengobjekten in Form von Brücken und vielen Unterständen. An allen Brücken ist praktisch nichts mehr davon zu erkennen, dass es sich um ehemalige Sprengobjekte handelt. Dies liegt wohl primär daran, dass die meisten Brücken saniert sind und das jeweilige Sprengobjekt schon lange liquidiert wurde. Dafür sind viele der Unterstände noch erhalten und durch ihre Lage lohnende Fotoobjekte. Das gleiche gilt auch für die Brücke über den Rhein bei Maienfeld, wo vom Sprengobjekt nur noch der begehbare Steg unter der Brücke erhalten blieb, dafür die Unterstände (fast) vollzählig erhalten geblieben sind.

Dass die Natur im Winter wunderschöne Kunstwerke hervorbringen kann, konnten wir am gestrigen Tag öfters feststellen. Beispielhaft wollen wir hier einen zugefrorenen Wasserfall bei Bad Ragaz erwähnen. Die ganze Felswand ist hier eine einzige grosse Eisskulptur, von wunderbarer bizarrer Schönheit. Während man vom Wasser nichts als einen Eisberg sieht, hört man wie es darunter weiter plätschert. Leider wird aber von diesem natürlichen Kunstwerk in wenigen Wochen nichts mehr sichtbar sein - ganz im Gegensatz zu den vielen Betonbauwerken, die der Mensch hier erstellt hat. Davon wird noch in vielen Jahrzehnten jede Menge zu sehen sein.
Damit war unser sibirischer Wandertag auch vorbei und durchgefroren ging es Richtung heimatlicher, warmer Stube. Das grösste Kompliment müssen wir aber der Firma Canon machen. Trotz der eisigen Temperaturen hat unsere treue Kamera wacker mitgemacht und nie ein Anzeichen von Problemen gezeigt. Es lohnt sich eben doch, wenn man auf Qualität schaut und nicht nur auf den billigsten Preis.










14. Januar 2012: Auf den F-Spuren der Festung Sargans
Nachdem endlich wieder einmal ein Samstag schönes Wetter versprach, sind wir aufgebrochen in die Foto-Saison 2012. Wie ihr festgestellt habt, haben wir angefangen, das Kapitel Sargans aufzuarbeiten und in neuer Form zu präsentieren. Seit wir 2007/08 das Kapitel erstellt haben, ist viel neues an Wissen dazu gekommen und neues Fotomaterial hat sich angesammelt. Während wir damals nur die alten Anlagen aus den Ursprüngen der Festung fotografiert haben, wollen wir nun auch die Bauperiode des Kalten Krieges einfangen und in unsere Dokumentation einbauen. So sind wir also am Samstag aufgebrochen in den Raum Ansstein, Luzisteig und Sarganserau, um F-Anlagen und Kavernen aus der Zeit des Kalten Krieges zu suchen und auf den Chip zu brennen.

Erster Stop war die Sperrstelle bei Ansstein. Hier wollten wir die Morgensonne nützen und einige Fotos der Tanksperre im Winter machen. Gerade in dieser Jahreszeit sieht man die alten BBB-Blöcke und Schienen besonders gut, während sie im Rest des Jahres unter Blättern gut verborgen sind. Zwar stellt der starke Kontrast zwischen dem weissen Schnee und dem Dunkel der Betonblöcke eine kleine fotografische Herausforderung dar, aber wenn man nicht mit der Programmautomatik fotografiert und weiss, wozu eine Blende gut ist, kriegt man ganz ordentliche Fotos. Ebenso haben wir einige neue Aufnahmen der Scharten von Ansstein. Man erntet immer wieder fragende Blicke der Passanten, wenn man mit Stativ und Teleobjektiv in der Wiese steht und eine vermeintlich kahle "Felswand" fotografiert.
Von hier aus haben wir uns dann schrittweise Richtung Answisen vorgearbeitet. Die prächtige Sonne und die wunderbare Winterlandschaft luden förmlich zum Laufen ein. Der aufmerksame Igelsucher findet im Raum zwischen Ansstein und Luzisteig zahlreiche Kugelbunker und U12 (Vobag) Unterstände. Allerdings muss man schon wissen, wo sie sind, denn sonst sucht man in den Wäldern erfolglos. Die meisten dieser Anlagen sind inzwischen zugeschweisst und leer geräumt. Trotzdem entdeckt man einige Besonderheiten. So weisen zum Beispiel einige der U12 Unterstände Reliefs auf, die dokumentieren, wann und von wem die Anlage erstellt wurde. Dies ist etwas, was wir bei solchen Anlagen in anderen Regionen nie vorgefunden haben. Ein weiteres Kleinod ist die Unterstandskaverne A6268. Diese liegt noch heute meisterlich getarnt am Fusse einer Felswand und zeugt davon, mit wie viel Perfektionisums selbst die banalste Anlage oftmals getarnt wurde. Obwohl nahe der Minustemperaturen, liessen wir uns dann ein Outdoor-Picknick an der Sonne nicht nehmen. Mit Blick auf ein wunderbares Bergpanorama genossen wir unsere Sandwiches. Während sich auf den Skipisten die Massen tummelten, konnten wir auf einem Kubu Deckel sitzend die Ruhe und die Sonnenstrahlen im Gesicht geniessen.
Am Nachmittag verschwindet die Sonne früh hinter dem Fläscherberg und taucht die Gegend von Answiesen in den Schatten. Zeit der Sonne zu folgen und auf die andere Seite des Fläscherbergs zu wechseln. Hier haben wir in der Sarganserau dann angefangen, die F-Anlagen zu suchen und mussten bald feststellen, dass die meisten verschwunden sind. Dies ist irgendwie verständlich, lagen doch die meisten in oder bei den Feldern der Bauern. Diese waren sicher froh, dass diese störenden Deckel beseitigt wurden. Einzig am Rhein im Bereich von Bannau ist der ganze Stützpunkt mit allen F-Anlagen noch erhalten geblieben. Kein Wunder, denn würde man die Unterstände hier abbrechen wollen, würde man einen grossen Waldschaden machen. Also hat man sich - zum Glück für uns - damit begnügt, die Deckel zuzuschweissen. Da die Uhrzeit fortgeschritten war, beschlossen wir, langsam Richtung Bodensee zu fahren und dabei im Raum Cholau beim Tankgraben Plattis noch einige Unterstände "einzusammeln". Aber auch hier sind die meisten der 90 Kubu, die einmal hier vergraben waren, verschwunden.

Mit der gestrigen Tour haben wir fortgesetzt, was wir schon letztes Jahr begonnen hatten. Es wurden aber so viele Kubu und Kavernen im Kalten Krieg gebaut, dass wir unmöglich alle werden einfangen können und wollen. Wir werden uns dabei pro Region auf eine räpresentative Auswahl beschränken.

An dieser Stelle noch eine persönliche Bemerkung. In den letzten zwei Wochen haben wir zahlreiche Mails von Besuchern der Page erhalten, welche uns für unsere "Arbeit" gedankt haben. Dies hat uns natürlich jedes Mal besonders gefreut. Was uns auch besonders gefreut hat, ist die Tatsache dass alle die Qualität unserer Fotos und Reportagen gelobt haben. Dies bestätigt uns darin, auch in Zukunft den beschrittenen Weg fortzusetzen und uns weiterhin vom Motto leiten zu lassen "Qualität vor Quantität". Danke nochmals an alle für die sehr netten und motivierenden Mails.